Sommernacht, St-Pauliruine

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Wortgarten 
 
 


Sommernacht, Pauliruine


Die Liebe, nur ein amüsantes Spiel?

Das große Hochzeitsfest des Athener Herrscherpaares Theseus und Hippolyta soll starten, doch die Deko fehlt noch! Schnell werden Luftballons ans Publikum verteilt und auf Kommando aufgepustet. Schon bald hängen Ballongirlanden quer durch den ehemaligen Altarraum der St.Pauli-Ruine. Die "Sommernacht" kann beginnen. Allerdings zunächst mit nur sparsamer Feierlaune: Ein Streit wird Theseus vorgetragen. Hermia will unbedingt Lysander haben und nicht den ihr zugesprochenen Demetrius. Kaum verwunderlich, ist dieser Lysander doch hier in der Pauliruine ein Latin Lover, der bei Bedarf italienische Lovesongs wie "Azurro" oder "Ti amo" schmettern kann. Da bleibt nur die gemeinsame Flucht in den Wald.
Helena, die ihrerseits in Demetrius verliebt ist, petzt die Flucht und läuft gleich zusammen mit dem verprellten Bräutigam hinterher. Im Wald treffen sie auf allerlei zauberhafte Wesen. Da ist zum einen Graf Oberon mit seinem Zauberwesen Puck. Puck gibt es hier gleich in zweifacher Ausfertigung: eine ältere dickbäuchige, aber sehr geschmeidige Kröte und ein junger Rad schlagender Reptilien-Tausendsassa. Und Oberons Frau Titania mit ihren weißen und sie umflirrenden Elfen. Die können ebenfalls singen: "In the jungle, the mighty jungle...". Da Oberon mit seiner Frau noch ein Hühnchen zu rupfen hat, erteilt er seinem Puck einen Auftrag: Besorge mir die Pflanze, deren Saft die Menschen in das Wesen verliebt machen, das er nach dem Aufwachen zuerst erblickt. Er denkt dabei zunächst nur an seine Frau, doch dann sieht er die Menschlinge aus Athen in seinem Wald aufkreuzen und sieht auch hier mit Kennerblick die zu reparierenden Liebesschäden. Doch Puck und sein Assistent haben viel Spaß daran, kichernd die Lage nur noch schlimmer zu machen. Alle werden in Gefühlsverwirrungen und Herzschmerzen geschickt, aus denen sie aber nach zum Schluss weiteren Pflanzengaben geläutert und glücklich wieder herausgeführt werden.
Die Wundermacht der Liebe - alles nur ein Traum? Die Inszenierung von Jörg Berger ist ein spielerischer Genuss. Die Hauptdarsteller sind alle hervorragend besetzt. Anna-Sophie Neumann als Hermia ist ein aufmüpfiges Blondchen, das zur Flucht in den Wald nicht auf drei Koffer Reisegepäck verzichten kann. Pauline Gloger als Helena leidet überzeugend als aussortierte Schöne in der zweiten Reihe und lässt sich auch von den Umschwüngen der Herren nicht einlullen. Andrea Beretta als Lysander gibt den südländischen impulsiven Liebhaber mit zupackender Verve. Velten Urban als Demetrius ist dagegen in pastellfarbenen Shorts, Sakko und gegelter Frisur eher ein modisch aktuell gekleideter Gesellschafts-Softie. Maike & Jens Ottersberg sind ein weiteres Highlight dieser Inszenierung: Als die Puck I. und Puck II. sind sie ein wunderbar eingespieltes Team, das sich versiert die Bälle zuwirft und Spaß daran hat, mit den Menschlingen ihren Schabernack zu treiben und die Menschlinge im Publikum damit zu unterhalten.
Das von Shakespeare eingeschobene kleine Theaterstück der Handwerker macht Regisseur Jörg Berger zu einem kleinen Intermezzo, das alle möglichen Peinlichkeiten mit gekonnter Selbstironie umschifft. Die Livemusik Matthias Krüger (Piano) und Berndt C. Meyer (Horn) sorgte für den stimmungsvollen Soundtrack.
Trotz der zweieinhalb Stunden dauernder Aufführung kam so keine Minute Langeweile auf; ein poetischer, witziger und sympathischer Abend an einem besonderen Ort in Dresden!
Birgit Schmalmack vom 3.8.17




 

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