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Die acht Oktavhefte, Schauspielhaus In den "Acht Oktavheften" hat Kafka Tagebucheintragungen, Geschichtenideen, Gedankensplitter gesammelt, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Sie kennen keinen Handlungsstrang wohl aber eine Grundstimmung. Der gibt Luz mit seinem hervorragenden Ensemble, dem Bühnentechnikerchor und dem Pianisten Daniele Pintaudi ein intensives dichtes Atmosphärengespinst, in dem sich die Schauspieler:innen traumwandlerisch bewegen und verfangen.

Der lange Schlaf, Schauspielhaus Regisseur Philip Stölzl inszeniert den spannenden, höchst aktuellen Text ganz nah am Stoff. In fünf realistisch dekorierten, fahrbaren Kuben arrangiert er die verschiedenen Orte des Geschehens, blendet sich hinein und wieder hinaus und gibt so schlaglichtartig Einblicke in die jeweiligen Entwicklungen vor Ort. Stölzl ist weit davon entfernt Regietheater zu betreiben. Er stellt sich vielmehr in den Dienst des Inhalts

Jeeps, DSH Abdel-Maksoud spießt in ihren messerscharfen Dialogen die Vorurteile über die jeweils andere Seite gekonnt auf. So hat sie ein ernstes Thema in herrlich überdrehter und vor Witz sprühender Form zum Thema gemacht. Goetze lässt sich von ihrem Text zu immer neuen Einfällen verführen. Das ist anregendes und Spaß machendes Theater mit gleichzeitig unterhaltendem und politischem Anspruch. Nicht unbedingt der Standard auf deutschen Bühnen. Also unbedingt anschauen.

Caesar, Schauspielhaus Handlung gibt es bei Regisseur Stefan Pucher nicht mehr. Entweder lässt er diese vom Dichter kurz referieren oder zeigt sie in Form einer Marmorstatue, die anfängt zu bluten. Er reduziert damit das blutige Drama von Shakespeare auf ein theatrales Thesenspiel. Ihn interessiert nicht der Tyrannenmord, ihn interessieren die Auswirkungen eines gefährlichen Populismus,

Johanna, Schauspielhaus Der große Auftritt will also nicht gelingen, immer wieder muss ein neuer Anlauf genommen werden. Um wahrhaft überzeugend zu wirken, den gemeinsamen Herzschlag zu spüren, wirklich nicht nur Körper an Körper sondern Herz an Herz voranzuschreiten, fehlt noch viel. Vielleicht genau die Portion an Testosteron, die das Denken aussetzen lässt und die diese weiblichen Akteurinnen nicht ihr eigen nennen können? (Foto: Sinje Hasheider)

Bunker Slam no 86, Kampf der Künste Die Bandbreite der Themen ist so groß wie der Umkreis, aus dem Poet:innen angereist sind. Aus Düsseldorf, Bargteheide, Leipzig, Kiel, Bochum und München sind sie gekommen und beschäftigen sich in einer wildem Mischung mal mit ernsten Anliegen und mal mit purem Quatsch, aber immer mit viel Sprachwitz garniert.

Macbeth, Schauspielhaus Am Ende ist das Publikum im ausverkauften Schauspielhaus dennoch sichtlich angetan und spendet viel Applaus für das tolle Ensemble und das effektreiche Bastel-Bühnenbild, das seine papierleichten Wald-Girlanden mit Hilfe des schweren Hebegestänges der Bühnentechnik eindrucksvoll aus- und wieder einfalten kann. Denn es sind eher die kleinen und größeren Einzelleistungen als der große überzeugende Neu-Ansatz, der diesen Abend dann doch zu einem sehenswerten macht.( Lalo Jodlbauer)

Der Kirschgarten, Schauspielhaus Dennoch muss man Mitchell natürlich zustimmen: Die Zeit für die langatmigen Selbstinszenierungen der Menschen ist vorbei. Jetzt sollten wir der Natur zuhören. Ob dafür allerdings das Theater der geeignete Raum ist, darf nach diesem Experiment bezweifelt werden. Dazu fährt man im Frühling lieber direkt ins Alte Land und legt sich auf eine Kirschblütenwiese. Wenn dieses Stück einzelne dazu angeregt haben sollte, hat es vielleicht seinen Zweck erfüllt.

Woyzeck, Schauspielhaus Dennoch: In ihrer Konsequenz hebt sich diese Arbeit mit ihrem überaus stringenten und künstlerischen eindrucksvollen Gestaltungswillen heraus. Klassische Woyzeck-Inszenierungen gibt es schließlich schon genug auf deutschen Bühnen. (Foto: Aurin)

Das Ereignis, Schauspielhaus Regisseurin Annalisa Engheben zusammen mit Sandra Gerling, Josefine Israel und Sasha Rau Sandra Gerling, Josefine Israel und Sasha Rau als dreifache junge Frau umgesetzt. Sie umkreisen die riesengroße Figur in der Mitte, die ein Symbol der Körperlichkeit ist, erklimmen sie, versuchen sie vergeblich zu verschieben und nutzen sie als gemeinsames Spielfeld. Obwohl die Frauen hier sehr zurückgenommen agieren, ganz im Stil des Textes, machen sie klar: Sie sind keine Opfer sondern Gestalterinnen ihres Lebens. Foto: Sinje Hasheider)

Revolution, Schauspielhaus Man macht sich dreckig, wenn man sich mit den mafiösen Drahtziehern einlässt. So viel wird deutlich: Michail ist schnell über und über mit Blut, Wasser und Milch besudelt. Doch am Ende trägt er einen feinen schwarzen Anzug mit weißem Hemd. Jetzt hat er eine Position erreicht, in der er andere die Drecksarbeit machen lassen wird. So geht das Spiel um Macht und Unterwerfung weiter. Der Mensch ist nicht gut, er ist bequem. Das ist die Erkenntnis dieses Abends. Eine die wenig Hoffnung auf Aufklärung und Verbesserung macht.

Ivanow, Schauspielhaus Vordergründigkeit, wohin man blickt, wenn auch bei diesen Schauspieler:innen immer mit der Ahnung der eigenen Bedeutungslosigkeit unterfüttert. Das ist aller sehr klug, genau beobachtet und mit allen Zwischentönen gespielt.

Protec / Attac, Malersaal Und dennoch, als Julia Wieninger und Lars Rudolph nach dem Ende des Stückes noch die Erklärung der Intendantin des zerstörten Theaters in Mariupol zum Welttag des Theaters verlesen, kann man auf Weiningers Aufforderung "Sie wissen was Sie jetzt zu tun haben, wenn Sie das Theater verlassen?", nur eindeutig "Nein!" ausrufen.

Coolhaze, Schauspielhaus Charly Hübner spielt sich selbst, aber auch Charles Bronson und Michael Kohlhaas. Auf so eine irre Zutatenliste kommen nicht viele, die für ein Staatstheater produzieren, aber Studio Braun ist für verrückte Ideen bekannt. Dass sie sich jetzt aber einen Klassiker der Dramenliteratur als Grundlage ausgesucht haben, könnte eventuell doch eine Nummer zu groß sein.

Eine Frau flieht vor einer Nachricht, Schauspielha Fast ohne Requisiten, nur mit drei Overheadprojektoren und einem klackernden Metronom erschafft er in dem Betonkeller des Malersaals zusammen mit den drei hervorragenden Schauspieler.innen eine Atmosphäre, die ganz eintauchen lässt in den unlösbaren Konflikt dieses Landes. ( Matthias Horn )

Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten, Sc "Da wo die Nüchternheit dich verlässt, da ist die Grenze deiner Begeisterung" ist das Credo dieses Abends. Erst wer sich über die Grenze der Schwerkraft hinausheben lässt, erhält so etwas wie Hoffnung und Ausblick. Erst wer die Grenze der Begeisterung durch die Kunst überschreitet, landet in der Welt der Emotionen und des Humors, die über die ernüchternde Realität hinausweist.(Foto: Matthias Horn)

Richard the Kid & the King Henkel ist eine Interpretation des Stoffes gelungen, die so stringent umgesetzt ist, dass man denken könnte, sie bräuchte nicht unbedingt eine Länge von vier Stunden. Dennoch möchte man keine einzige Minute missen, so lange einen eine Lina Beckmann währenddessen mit ihrer grandiosen Wandlungsfähigkeit beglückt. ( Monika Rittershaus, 2021)

Trutz, Schauspielhaus Was eine dröge, schwierig zu verstehende Geschichtsstunde hätte werden können, wird zu einem puren Theatervergnügen, nach dessen Besuch man wieder weiß, warum man überhaupt ins Theater geht. Katrin Ribbe

Café populaire, Schauspielhaus Nora Abdel-Maksoud hat ein überaus intelligentes Theaterstück über die Entlarvung der politischen Über-Korrektheit geschrieben, das gnadenlos die Abgründe hinter ihrer gutmenschelnden Fassaden freilegt. Er erwischt sein Publikum genau da, wo es wehtut.

J'accuse, Schauspielhaus René Pollesch hat mit diesem kleinen 90-Minüter dem feinen Kunst- und Kulturbetrieb ganz elegant den Spiegel vorgehalten. Wenn dann auch noch eine leibhaftige Kuh auf die Bühne geführt wird und den Schauspieler:innen fast die Show stielt, ist endgültig klar: Der Marktplatz der Eitelkeiten, der Selbstvergewisserung, der vermeintlichen Aufregung ist nicht mehr so aufregend wie gedacht.

Ellbogen, Schauspielhaus Das macht Sattler grandios. Nur mit einer Beugung des Oberkörpers, nur mit einer Senkung der Stimme, nur mit einem Verschieben der Mundwinkel wird sekundenschnell klar, wessen Rolle sie jetzt gerade übernimmt. So zeigt sie Hazals Ringen um Würde zwischen Berlin und Istanbul auf eine so bezwingende Art, dass die 90 Minuten auch nicht eine Sekunde langweilig werden.

Kindeswohl, Schauspielhaus Man fühlt sich an einen Fall von Ferdinand Schirach erinnert. Hier soll Moral verhandelt werden. Eingebettet in eine ganz alltägliche Mid-Life-Ehegeschichte.

Das Schloss, Schauspielhaus Victor Bodo hat aus dem unvollendeten Roman von Franz Kafka eine andeutungsreiche Inszenierung geschaffen, die das Premierenpublikum am Samstag begeisterte. Zu Recht. Das Bühnenbild spricht für sich. Das Ensemble brilliert in allen Rollen. (Foto:Thomas Aurin)

Ein Abend mit Herta Müller, Schauspielhaus Die Zuschauer/Innen erlebten eine Künstlerin, die sich nicht hinter ihrem Werk versteckt. Sie ist eine Frau, die genau weiß, woher sie stammt. Über die intellektuelle und persönliche Herausforderung der eigenen Identitätserkundung weiß sie eine Menge zu erzählen.

Die unendliche Geschichte, Schauspielhaus Spaan gelingt es trotzdem dank seines perfekt harmonierenden Dreierteams all die Figuren aus dem Buch ohne jeden Kostümwechsel lebendig werden zu lassen. Er belegt mit seiner Inszenierung die Kraft eines Buches, selbst wenn dieses Buch auf einer Bühne vorgelesen und umgesetzt wird. ( Sinje Hasheider)

Der goldene Handschuh, DSH Die Inszenierung interessiert sich mehr für das Milieu, in dem die Ertrinkenden sich gegenseitig vor dem Absaufen zu retten versuchen. Vergeblich. Sie gehen zusammen unter.

Das Totenfest, Schauspielhaus Ostendorf lässt in jedem seiner Sätze so viel Mehrdeutigkeit anklingen, dass er sich stets in unangreifbarer Entfernung zurückziehen kann. Behren versucht dies mit offensivem Körpereinsatz von choreographischer Eloquenz zu quittieren. Beide spielen zu sehr mit dem "Als-ob", als dass das Existenzielle dieser Beziehung zu spüren wäre.

Menschen, Göttern gleich, New Hamburg Der Besuch auf der Veddel lohnt sich trotz des unerwartet schnellen Endes auf jeden Fall. Wie hier in einem von der Hochkultur vernachlässigtem Stadtteil eine wenig genutzte Kirche mit neuem kulturellen Leben gefüllt wird, ist sehenswert. Umso mehr wenn es dabei gesellschaftlich relevante Fragen mit künstlerischen Anspruch verhandelt.

Rainer Gratzke oder Das rote Auto, Malersaal Man mag sich als Theaterzuschauer/In an ein anderes "Endspiel" erinnern. Doch während Beckett in seinem Endspiel mit Allegorien arbeitete, die weit über sich hinauswiesen, begnügt sich Rachut damit den Horror des Endes zu bebildern.

Lazarus, DSH Regisseur Falk Richter hat am Schauspielhaus "Lazarus" als eine überengagierte Musical-Allegorie eingerichtet. Er hat dafür zum Mittel der ständigen Reizüberflutung gegriffen. Er reicherte das Musical mit so vielen Glitzer-Showeffekten, Videobildern, rotierenden Bühnenbildern und ständigem Kostümwechseln an, dass einem beim Zuschauen schwindlig werden kann. Er wollte die abstruse Oberflächlichkeit des Show-Bizz vorführen und gleichzeitig Parallelen zur potenzierten Reizüberflutung des Internetzeitalters aufzeigen.

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