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NSU 2.0, Thalia in der Gaußstraße Anders als in seinen vorherigen Arbeiten zu Rechtsradikalismus und Rassismus inszeniert Calis dieses Mal keinen Dialog zwischen den Meinungsträgern aus der Mehrheitsgesellschaft und den eingewanderten Communities. Nein, dieses Mal konfrontiert er das Publikum gnadenlos mit der Sprache der Täter. Wo er sonst gekonnt alle Schattierungen der Meinungsträger aufgriff, gegeneinander stellte und dem Publikum gerade durch die Freiheit der eigenen Einsortierung etliche Aha-Erlebnisse bescherte, setzt er in dieser Arbeit klar auf Schwarz-Weiß.

Dschinns, Thalia Dschinns, das sind Geister. Nicht nur jeder Mensch hat seine eigenen, sondern auch jede Familie. Bei dieser türkisch-deutschen zwischen Istanbul und Berlin ist es das Schweigen. Doch das wird erst allmählich während der drei Stunden dauernden Aufführung von "Dschinns" klar.

Hotel Savoy, Thalia Charlotte Sprenger inszeniert diesen Abgesang einer Gesellschaft als einen Totentanz. Die Personen lässt sie in ständigen Rollenwechsel auf dem Drahtseil ihres zerstörten Lebens spazieren, immer dessen bewusst, dass sie jederzeit abstürzen können. Doch sie tanzen weiter, bemüht ihre Schritte den der anderen anzupassen und möglichst eine gute Figur zu machen. Nur Dan will sich nicht einklinken.

Heimweh, Thalia Ihre faltigen Gesichter verschwinden hinter Kindermasken mit riesigen groß aufgerissenen Augen, die hilflos und still alles ertragen müssen, was die Erwachsenen ihnen hier im Namen der Erziehung antun werden. Ein wunderbar passender Kunstgriff, um die Auswirkungen, die sich in die Körper bis ins hohe Alter einschreiben, auszudrücken.

Iphigenia, Thalia Für diesen ersten Teil findet die Regisseurin viele atmosphärisch dichte, schön verrätselte Bewegungs-Bilder, die ohne viele Worte die Stimmung der Personen erklären.

Klima/Krise/Klitoris, Körber Studio Die Arbeit des Kollektivs unter der Regie von Marie Baumgarten von der Ernst-Busch Hochschule zeugt von einem beeindruckenden künstlerischen Gestaltungswillen, der einhergeht mit einem beeindruckend tiefschürfenden multiprofessionellen Rechercheprozess. So verbindet sich in ihrer imponierenden Arbeit theoretischer Background mit künstlerischem Ideenreichtum. Die eingeblendeten, plakativ formulierten gesellschaftspolitischen Statements reichern sich mit der Rätselhaftigkeit der gewählten Bilder zu einer schönen uneindeutigen Mischung an, die viel Raum für die eigene Imagination lässt.

Bad Mexican Dog , Körber Studio Billige Strohmatten, ein DJ-Pult und ein paar Kubikmeter Sand: Schon ist das Beach Club Feeling fertig. Zumindest die Illusion davon. Nett, wenn dann auch noch ein paar nette Beach-Boys mit kleinen Jokes, flotten Moves und etwas Sex-Appeal in dieser Kulisse herumhopsen. Dann darf sich der Westeuropäer ganz dem Tropical Feeling hingeben.

Fallen, KörberStudio Anna-Kristine Linkes Inszenierung wird so zu einem fluiden Bildnis des Lebens, das sich selten fokussiert sondern einfach fließt. So fließt auch diese Bühnenarbeit unter dem Verzicht auf eine erkennbare Dramaturgie vor sich hin.

FAKE IT TILL YOU DIE BAKCHEN, Körber Studio In einer Welt, in der alles ineinander morpht, keine klaren Grenzen mehr gezogen werden, jeder nur noch um sich selbst kreist, gerät der Veränderungswille zu einer bloßen Behauptung, gegenüber dem sich die Gesellschaft im Zweifel für die Bewahrung des bisher Erlangten ausspricht. Der "Change" als Wert an sich verkommt zu einem inhaltsleeren Versprechen, das mehr Fragezeichen aufwirft, als es Antworten zu geben vermag.

Lover on ice, Körber Studio Wahre Liebe: Fehlanzeige. Alles nur Show. Die meisten ahnen es und dennoch scheint jeder süchtig zu sein nach diesem Gefühl der bedingungslosen Anerkennung, dieser Hoffnung auf die Versicherung: Du bist der wichtigste, schönste und liebenswerteste Mensch auf dieser Erde für mich. Und kann nur damit doch nur scheitern.

Brüste und Eier, Thalia Wer einen stringenten klar fokussierten Theaterabend erwartet, wird also klar enttäuscht werden. Wer sich auf einen verspielten, wie zufällig entstandenen, chaotischen Abend einlassen mag, der über große Teile die Ereignislosigkeit eines durchschnittlichen Lebens abbildet, der wird nach dreieinhalb Stunden zufrieden aus dem Theater kommen.

Paradies, Thalia Erst als das Geschehen wieder in Osnabrück angekommen ist, also in heimischen Gefilden, endet die Distanziertheit. Derweil lassen wir uns einlullen, von launigen Ansagern, von schmissiger Musik und vom glänzendem Outfit. Wir hören von traurigen dramatischen Geschichten irgendwo auf der Welt, doch wir bleiben distanziert. Wir sind so abgefüllt mit Bildern von der Realität, dass wir uns der Wirklichkeit verweigern können. Erst wenn das Drama in unseren eigenen Familien angekommen ist, wird das Leid fühlbar.

Eurotrash, Thalia Ob die Mutter diese trotz oder weil der Nazivergangenheit ihres Vaters bewahren konnte, ist am Ende keine Frage mehr sondern zu einer Gewissheit geworden. Doch Jirka Zett macht in seinem Spiel deutlich, dass die jüngere Generation keinesfalls mutiger ist. Der Sohn leistet sich seine offensive Offenheit nur, weil sie für ihn mittlerweile mit keinerlei Risiko mehr verbunden ist. Selbst dem Streit mit seiner Mutter ist er schließlich 50 Jahre lang aus dem Weg gegangen. (Foto: Krafft-Angerer)

Onkel Wanja, Thalia Hier stehen Männer auf der Bühne: Männer mit Idealen, Männer ohne Ideale und Männer mit Allüren. Um sie herum Frauen, die von ihnen abhängig, ihnen ergeben sind oder sie anhimmeln. Regisseur Hakan Savas Mican belässt diese Konstellationen in seinem aktualisierten Fassung von Tschechows "Onkel Wanja" genau so.

Neon in aller Vertrautheit, Thalia Mit wenigen aber effektiven Mitteln. Die sparsam eingesetzte Musik, die klugen Videoprojektionen und die Gehirnakrobatik auf den Ohren sorgen für Irritation, Verwirrung und Anregung ohne jedes Pathos. Intim und spielerisch, manipulativ und ehrlich, nachdenklich und provokativ. (Foto: Fabian Hammerl)

Network, Thalia Eine tolle Inszenierung, in der alles stimmte, jedenfalls fast alles. Außer vielleicht eines: Wissen wir das alles nicht schon längst und hätte Bosse dem Publikum nicht verraten sollen, was ihn heute noch an diesem Stoff interessiert? (Foto: Armin Smailovic)

nichts, was uns passiert, Thalia Hier gibt es keine klaren Opfer und Täter. Das macht den Abend in der Gaußstraße so interessant. Geyer überlässt den Zuschauer:innen in ihrer prägnanten, temporeichen und stimmungsvollen Inszenierung bewusst, sich selbst ein Urteil zu machen.(Foto: Fabian Hammerl)

Have a Good Day!, Thalia Die Eintönigkeit, die den Alltag dieser Frauen bestimmt, wird durch die Komposition dieser Sprechgesangoper in Noten gefasst. Jedes Lied hat nur wenige Melodieelemente, die ständig wiederholt werden. So überträgt sich dieses Gefühl der Endlosschleife eindrücklich auch auf die Zuschauer:innen. (Foto: Modestas Endriuska)

Die Welterlöserin, Thalia Dieser Abend könnte pathetisch wirken, doch Madame Nielsen schafft es zusammen mit ihrem Regisseur Christian Lollike ihn in der Schwebe zu halten. Das gelingt nicht zuletzt durch die Rahmung ihrer Performance durch das Halvcirkel String Quartett aus vier Frauen mit weißen Pagenköpfen und Albino-Schminke, die eine Symphonie von Ligeti spielen, in die sich die Songs von Madame Nielsen perfekt einfügen. Dass hier tatsächlich alles ganz ernst gemeint sein soll, mag man kaum glauben. Doch das Zeitalter der horizontalen Ironie sei zu Ende. jetzt ginge es um das Vertikale, das in die tiefere Schichten des Menschseins führe. (Foto: Emilie Therese)

Avremo ancora l'occasione di ballare insieme, Thal Um eine besondere Art der Kulturveranstaltung zu sehen, muss man mittlerweile ins Museum gehen. Seit der Katastrophe und der plötzlichen Schließung aller Bühnen ist diese Kunstform ausgestorben. So pilgern die Interessierten in die Museumsetage, die sich direkt über einem Einkaufszentrum befindet und in dem Requisiten einer Aufführung des Künstlerpaares Daria Deflorian und Antonio Tagliarini aufbewahrt worden sind.(Foto: Andrea Pizzalis)

sokak, Thalia Diese Gespenster im Gehirn sind ganz schön umtriebige Geisterwesen. Sie werden sowohl von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auf Trab gehalten. Und lassen den Menschen, die sie in ihrem Kopf beherbergen, keine Ruhe. So sind die Vier, die eine Schar Zuschauer:innen hinter sich herziehen, suchend nach einem Ort des Ankommens unterwegs in den engen Straßen Ottensens. Kaum haben sie kurz Rast gemacht in einem ihrer Hinterhöfe, auf einem ihrer Plätze, geht es schon wieder weiter.(Foto: O-Young Kwon)

Doughnuts, Thalia "Unsere Situation entbehrt nicht einer gewissen Komik." Dem kann man nur beipflichten. Durch ihre Selbstkommentierung, die häufig zugleich eine Entlarvung ist, wird der Abend auch zu einem kurzweiligen Vergnügen, das die tiefere Symbolik als Zustandsbeschreibung einer Welt, in der viele Sicherheiten abhanden gekommen sind und die dennoch im Nichtstun und Diskutieren verharrt, treffend auf die Bühne bringt. Begeisterter Applaus nach der Premiere im Rahmen der Lessingtage auf der kleinen Bühne des Thalia. (Foto: Fabian Hammerl)

Der Tod in Venedig, Thalia Und das alles mit den selben vier grandiosen Schauspielerinnen, die dafür sorgen, dass der Abend ein Erlebnis ist. So kommt in dieser bewussten Kontrastierung ganz beiläufig eine Kritik an der Realitätsferne dieses deutschen Schriftstellers zum Ausdruck, der sich zwar im Besitz der intellektuellen Lebens-Wahrheit glaubte und sie doch nie durchlebt, durchfühlt und durchlitten hatte. Eine Haltung, die dem deutschen Wesen auch heute bisweilen nachgesagt wird. (Foto: Krafft Angerer)

Mittagsstunde, Thalia Wünscht er sich nicht eigentlich eine feste Basis? So wie es einst Brinkebüll war? Zum Schluss wird er wieder zurück nach Kiel gehen. Er stellt fest: Dieses Land braucht uns Menschen nicht. Aber vielleicht wir dieses Land? So einen nostalgischen Heimat-Abend hätte man nicht unbedingt im Thalia erwartet. Brauchen wir ihn etwa in dieser Zeit? (Foto: Armin Smailovic)

Die Wildente, Thalia Ein Theaterabend, der mit seiner überbordenden Bildfülle und inhaltlichen Querverweisen, die sich häufig gegenseitig irritierten, herausforderte. Eine Anstrengung, die sich lohnt. Nicht zuletzt wegen des grandiosen Thalia-Ensembles, das in der Lage ist, diese auch zum Teil auseinander strebenden Regieeinfälle zu einem Ganzen zusammen zu halten. (Foto: Armin Smailovic)

Räuber, Thalia So führt diese weiblich anmutende Männlichkeit zu einem Showdown, der jedem Western Ehre gemacht hätte. Am Ende der Bühne nur Leichen. Einzig der weiblich besetzte Vater geht über diese Leichen hinweg wieder an seinem Platz vom Anfang. Sein weißer Anzug unbefleckt wie zuvor. Gewalt ist eben auch keine Lösung, um einen Mangel an Liebe zu kompensieren.(Foto: Armin Smailovic)

*innen Stadt, Thalia Die charmante Art der Museumsführerin, die die Fortsetzung der Filme auf die Bühne verlängerte, indem sie zwischen ihnen in deren Kostümen deren Gedanken direkt mit dem Publikum weiterspann, machte den Abend unter der Regie von Katharina Arkit und Nadin Schumacher zu einer insgesamt intelligenten und unterhaltsamen Performance. Sie ermöglichte den Blickwechsel und zwar auf vielfältige Weise, indem sie alle Kanäle für die Neuaufnahme nutzte und so selbst trockene Texte zu laufenden Bildern werden ließ.

Herkunft, Thalia Das durchweg schwarze Bühnenbild erweist sich als so wirkmächtig, dass neben ihm nur noch die Musik als die Atmosphäre beeinflussendes Mittel bestehen kann. So wird die Botschaft klar: Der neue Leben nach der Flucht muss sich mühsam einen Platz erobern in einem Schattenreich der Erinnerungen. (Foto: Krafft-Angerer)

Transit, Thalia Wo der Film „Casablanca“ mit einer ähnlichen Themengrundlage voll auf romantisierende Gefühle setzte, konzentriert sich Koohestani auf die Analyse der systemischen Umstände.

Pieces of a woman, Thalia Dank der herausragenden Schauspielrinnen allen voran der Hauptdarstellerin Justyna Wasilewska geht dieses Konzept auf. Eindrucksvoll, ausdruckstark, vereinnahmend und mitnehmend ist dieser Abend und tief bewegt verlässt man das Theater.(Foto: Natalia Kabanow)

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