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Das Leben ein Traum, Thalia In seiner Inszenierung dieses andeutungsreichen und vielschichtigen Stück hat Johan Simon weniger Traumgestalten als vielmehr traurige Clowns auf die Thaliabühne gestellt. Sie stolpern beherzt und unbeholfen über die vom Leben gestellten Aufgaben, ohne zu ahnen, was der große Plan dahinter sein könnte. Sie stehen auf der schwarzen Bühne mit großen Spiegelwand und sehen immer nur sich selbst. Zusammen gehalten wird die Inszenierung von Jens Harzer, der als einziger genau zu wissen scheint, dass er nichts weiß und damit nur von Minute zu Minute einen Schritt vor den nächsten setzen kann. Während alle anderen so tun müssen, als hätten sie Ziele und eine Strategie sie zu erreichen. (Foto: Armin Smailovic)

Noch wach?, Thalia So ist die Inszenierung von Christoph Rüping zwar desillusionierend, dass sich nach Me Too irgendetwas verändert haben könnte, aber wahrscheinlich umso realistischer. Seine Distanzierung zum Hauptdarsteller besteht hauptsächlich darin, dass er ihn auf vier Schauspieler:innen verteilt. Doch anstatt den Finger in die Wunden zu legen, hangelt er sich mit seinem hervorragendem Cast (Nils Kahnwald, Maike Knirsch, Hans Löw, Julia Riedler, Cathérine Seifert, Oda Thormeyer) durch die Misere, getreu dem Motto der Branche, in der alles spielt: Unterhaltung ist alles. Und wenn der Content zu sehr herumdümpelt, dann eben schnell ein wenig Musik. Dazu dröhnen dann die Beats und Inez tritt mit überwältigendem Songs über Love und Time auf. So auch zum Schluss: Da regnet es von Inez noch mal Rote Rosen, doch der Song der früheren Feministinnen hat auch schon lange seinen Popularitätshöhepunkt überschritten und zeigt nur: Es hat sich immer noch zu wenig verändert.(Foto: Krafft Angerer)

Schande, Thalia Schade dass Regisseur Mattias Andersson nicht konsequent alle Bedrohung von außen im Nicht-Sichtbaren wie bei der Stimme aus dem Off belässt. Die Ebene der hereinbrechenden Jugendgang, die zunächst an den Rändern Baseball trainiert und dann zu einer verwüstenden Soldatengruppe wird, zieht das wohl ausbalancierte Spiel der Drei auf dem Podest auf eine Ebene der klischierten Banalität herunter, die der Abend nicht gebraucht hätte. Doch abgesehen davon: ein sehenswertes, erhellendes Kammerspiel über die dunklen Flecken unter unserer westlichen IKEA-Gemütlichkeit. (Foto: Armin Smailovic)

Warum das Kind in der Polenta kocht, Lessingtage All das wird in grell ausgemalten Szenen mit dem stetigen Hang zur Überzeichnung erzählt, während sich das Karussell des Lebens für Aglaja ständig weiterdreht, ohne dass sie selbst einen Einfluss darauf haben könnte. Die Stilmittel, die Haratischwilli für ihre Arbeit gebraucht, sind schlüssig, aber lassen wenig Raum für die leisen Töne. Rührung und Nachdenklichkeit kommen während der Vorstellung kaum auf. Das Karussell dreht sich immer weiter, Aglaja muss mit. Der Schrecken des Gesehenen breitet sich erst aus, nachdem das Karussell zum Stehen gekommen ist. (Foto: Jan Bosch)

Apocalypse tomorrow, Lessingtage So wird er zu einer perfekten Metapher auf eine Generation, die ihre Gestaltungsmöglichkeiten als äußerst bescheiden wahrnimmt und angesichts einer herannahenden Katastrophe nur an die Steigerung des Auskostens der noch verbleibenden Zeit für sich selbst denkt. Nach uns die Sintflut, wir kosten das kurze Leben davor noch voll aus. So hinterlässt dieser Abend einen äußerst düsteren, pessimistischen Eindruck, gerade weil sich keiner auf der Bühne der Apokalypse stellt. Weil hier konsequent jeder Erkenntnis und jedem Umdenken aus dem Weg gegangen wird, scheint alles umso hoffnungsloser. (Foto: Fabian Hammerl)

Wolf unter Wölfen, Thalia Die Bühne (Annette Kurz) dreht sich wie der Roulette-Tisch, immer weiter. Auf ihm versucht Wolfgang Pagel verzweifelt, sich nicht zu verlieren und sogar seinen Platz zu finden. Und mit ihm alle die anderen Gestalten, die in den Wirrnissen der Zeit überleben müssen. Denn diese ist schwierig: Zwischen den beiden Weltkriegen herrschen in Deutschland Hyper-Inflation, Arbeitslosigkeit und Not. Für Pagel ist zunächst nur ein möglicher Ausweg aus dem ganzen Schlamassel erkennbar: Er setzt ganz auf das Glücksspiel, die Hoffnung mit normaler, ehrbarer Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat er sofort ad acta gelegt. (Foto: Armin Smailovic)

Grandpa Puss; or how God disappeared So zeigt Houbrechts, dass im Erinnern, im Reden, im Konfrontieren, im Aufarbeiten auch eine Chance auf Durchbrechung der transgenerationellen Weitergabe von Traumata liegt. Die Opfer müssen nicht in ihrer Ohnmacht verharren. Dazu benutzt sie eine schier überwältigende Fülle an Stil- und Theatermitteln. Die Kombination aus Tanz, Oper, Schauspiel, Körpertheater, Musik und Bühnenbild erschlagen fast bei ihrem Versuch, dieses komplexe Thema auf die Bühne zu bringen. (Foto: Kurt Van der Elst)

The Employees, Lessingtage Man ist fasziniert von dem ständigen medialen Gewimmel auf der Bühne und bleibt dennoch draußen vor. Gefühle der Betroffenheit stellen sich kaum ein, dafür braucht es schon die Technomusik in den Pausen. Ein sehr modernes Theater der technischen Überwältigung bei einer gleichzeitigen Erzeugung von Leere. Besser kann man kaum die Entwicklung der heutigen Medienwelt deutlich machen. Nach drei Stunden geht man abgefüllt und dennoch seltsam leergesaugt hinaus.(Foto: Natalia Kabanow)

Planet B, Thalia Das ist ein kluges, witziges Arrangement, das mit den charakterstarken Individuen auf der Bühne und ihrer pointierten Darstellung durch die Mitglieder des Gorki-Ensembles wunderbar rüberkommt. Ein Gag jagt den nächsten, aber ohne die Tragik dahinter vergessen zu lassen. Wieder einmal ist es der Regisseurin Yael Ronen mit ihrem Team gelungen, die Balance zwischen Ernst und Unterhaltung geschickt zu halten, wenn auch der Erkenntnisgewinn dieses Mal weniger groß war als bei bisherigen Arbeiten. Aber als Sience-Fiction-Satire über eine Hybris, die zur Selbstauslöschung führen wird, ist Planet B absolut empfehlenswert.(Foto: Stefano Di Buduo)

Green Corridors, Thalia Da die Gegenwart nicht ohne die Vergangenheit auskommt, werden die Biographien dreier ermordeter Ukrainer vor und während des Zweiten Weltkrieges angerissen. Ein Komponist, eine Dichterin und der umstrittene Freiheitskämpfer Bandera fließen in die Fluchtgeschichten mit ein, und zwar als Ausschnitte aus den Filmprojekten der Schauspielerin. Eine Ebene, die nicht zwingend einleuchtet und demzufolge auch auf der Bühne diskutiert und dann abgebrochen wird. Ein mit scheinbar leichter Hand inszenierter Stoff, der dabei eigentlich nur von Unmenschlichkeit, Unrecht und Gewalt erzählt. Eine Balanceakt, der dem Regisseur mit seinem grandiosen Team herausragend gelingt. (Foto: Jan Christoph Gockel)

Antigone im Amazonas, Lessingtage So stellt Rau eine durchaus romantische Vorstellung von glücklichen, nachhaltigem und naturverbundenen, gemeinschaftsorientiertem Ureinwohnerleben der ausbeuterischen (auch in kulturellen Fragen) Haltung der Europäer gegenüber. Aber natürlich mit einem noblen Ansinnen: Endlich den berechtigten Interessen und Sichtweisen ausreichend und umfangreichen Platz auf europäischen Bühnen zu verschaffen. (Foto: AFP)

No Horizon, Thalia Braucht der Mensch die Begrenzungen, die Regeln, um selbst Orientierung zu bekommen und sich nicht zu verlieren? Und passiert dies nicht ständig im Theater, wo doch alles möglich scheint? Das fragt der Regisseur Toshiki Okada mit vier Schauspieler:innen aus dem Ensemble in seiner zweiten Regiearbeit am Thaliatheater. Es wird ein philosophisches Experiment, in dem er die Darsteller:innen nicht nur mit ihren Stimmen, sondern auch mit ihren Körpern sprechen lässt. (Foto: Fabian Hammerl)

Sonne/Luft, Thalia Die Sonne lacht sich hämisch ins Fäustchen. Sie amüsiert sich auf ihrem Thron unter dem weißen Baldachin über diese Erdlinge, die sich immer wieder für viel Geld in Flugzeuge setzen würden, um sich von ihr auf einem kahlen, ausgetrockneten Stück Wüstensand braten zu lassen. Dabei dürfte ihnen doch mittlerweile hinreichend bekannt sein, wie schlecht ihnen diese Bescheinung tut. Denn diese Sonne bringe ihnen mittlerweile nicht etwa das Leben, sondern den Tod. Dennoch schade das ihrem Image keineswegs. Die Sonne grinst: Sie gelte eben stets als die Gute, als die Lebensspendende. (Foto: Birgit Hupfeld)

Sistas!, Thalia Herrlich unkonventionell wird nun das philosophische Gerede der russischen Intellektuellen und Großgrundbesitzer in die heutigen Diskurse einer multiperspektivischen und diversen Gesellschaft transformiert.Das ist gekonnt, unterhaltsam und dennoch nicht oberflächlich. Wenn das dann noch mit klassischem Liedgut und Squaredance kombiniert wird, um die verschiedenen kulturellen Wurzeln auch sinnlich zu erleben, wird daraus ein toller Abend, den man nun auch beim Gastspiel im Rahmen des Nachbarschaften-Festivals in Hamburg erleben durfte.

And now Hanau, Thalia Am Ende der gut eineinhalb Stunden absolute Stille und bedrücktes Schweigen im Kollegiensaal des Rathauses. Als die Schauspieler:innen auf die Bühne kommen, stehen spontan alle Zuschauer:innen auf und erweisen damit nicht nur ihnen die Ehre sondern auch die neun ermordeten Menschen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Sarašoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Stumme Schwäne, Thalia Regisseurin Sophie Pahlke Luz hat mit ihrem Team ein knapp einstündiges Extrakt auf dem Roman in der Garage des Thalias in der Gaußstraße auf die Bühne gebracht. Mit nur wenigen Mitteln und zwei exzellenten Schauspieler:innen hat sie quasi einen Appetizer inszeniert, dem man wünscht, dass dieser Stoff mit diesem Team noch einmal ausführlicher in einer Langfassung zu sehen sein wird.

Berlin Kleistpark, Thalia Beim Gastspiel des Berliner Gorki Theaters im Rahmen des Festivals "Nachbarschaften" kam ein großer Teil der Zuschauer:innen aus der türkischen Community in die Gaußstraße, denn hier werden andere Geschichten erzählt als sonst auf Stadttheaterbühnen üblich. So ziehen sie auch in Hamburg andere Publikumsteile aus der Stadtgesellschaft an und finden sich auf der Bühne wieder. Wie das Schicksal der Kofferkinder und -eltern nicht ihre Vergangenheit sondern ihre Gegenwart stark beeinflusst, macht Mican nachfühlbar. Nicht nur für diejenigen, die über eigene Erfahrungen mit diesem Thema verfügten. Ein Abend, in dem es um die komplexe Verflechtung von Geld, Schweigen, Verletzung und transgenerationale Weitergabe in Beziehungen geht und der in seinem gekonnten, leicht verrätselten Arrangement viel Raum für individuelle Gefühle, Interpretationen und Gedanken aller Zuschauer:innen ließ. (Ute Langkafel MAIFOTO)

Drive Your Plow Over the Bones of the Dead, Thalia Wie die Londoner Company Complicité den Roman der polnischen Autorin Olga Tokarczuk über die mörderische Umweltaktivistin auf die Bühne bringt, ist absolut sehenswert. Auf der leeren Bühne entstehen mit dem Ensemble ganze Wälder, Hirschherden, Jäger auf der Pirsch, tratschendes Dorfvolk, Schulklassen, eine Kirchengemeinende und ein Planetensystem, nur mit Licht, Händen und Bewegungen. Das ist großes Erzähl- und Bildertheater mit einer herausragenden Hauptdarstellerin im Mittelpunkt. Amanda Hadingue spielt überzeugend eine Frau mit klarem Verstand und großem Herz, die engagiert für das eintritt, das sie als sinnvoll erkannt hat, die für ethisches Verhalten eintritt und die sich nicht den Mund verbieten lässt. (Drive Your Plow Over the Bones of the Dead)

Meine geniale Freundin, Thalia Das ist wie alles höchst ästhetisch, lässt manches ahnen, aber bleibt dennoch an der Oberfläche. Mehr psycholgische Analyse hätte man sich gewünscht. So gibt es ein tolles Ensemble, eine pralle Story, Romanstoff pur, aber das Verständnis für die Personen auf der Bühne bleibt dennoch an der Oberfläche. Leider.

Barocco - Thalia Theater Hamburg Serebrennikov glänzt wie stets mit seiner wohl ausbalancierten Mischung an politischen aufrüttelnden Botschaften und verschwenderischer inszenatorischer Schönheit. Er feiert den Protest in seiner ganzen Bandbreite und Uneindeutigkeit. So finden alle im Publikum etwas, was sie fasziniert. Die einen den Aufruhr zum wehrhaften Aufstehen und die anderen den zum Feiern der Kunst. (Credit: Fabian Hammerl)

Datons Tod reloaded, Thalia Das ist keine leichte Kost, die hier von dem exzellenten Ensemble (mit Pauline Rénevier, Toini Ruhnke ) in Thalia in der Gaußstraße in knappen zwei Stunden gezeigt wird. Auf der abstrakten schwarz-weißen Bühne werden hier in der Regie von Amir Reza Koohestani Überlegungen, Gedankenstränge, Erzählfäden scheinbar lose ausgelegt und wie die fahrbaren Spiegel herumgeschoben, um dann doch in der Rückschau ein sorgsam verwobenes Ganzes zu ergeben. Aber um das zu erkennen, ist ein wenig eigenes Verwebungsarbeit gefragt. Und dann macht dieser Abend einen großen Gedankenraum auf, statt ihn in einer vorgefertigten Auslegung zu begrenzen. (Foto: Krafft Angerer)

Mein Name sei Gantenbein, Thalia Das Publikum im Thalia Theater, das das Gastspiel des Berliner Ensembles im Rahmen des Hamburger Theaterfestivals verfolgte, ließ sich mit großem Vergnügen von Brandt in seine Fantasiegeschichten entführen und feierte die Abschlussproduktion mit Standing Ovations. Eineinhalb Stunden intelligente Unterhaltung durch einen Schau-Spieler der Extraklasse animierte es zu minutenlangem begeistertem Applaus. (Foto: Matthias Horn)

Körber Studio Junge Regie, Thalia Dass er gelingt, liegt auch an dem sympathischen Understatement seiner Hauptdarstellerin, die hier Regisseurin, Autorin und Performerin in Personalunion ist. Todtraurig wird er nie, denn Elena Hoof lacht gerne, auch wenn sie hier von einer Zeit erzählt, in der sie viel geweint hat. Sie ist so herrlich lakonisch, dass nie so etwas wie Pathos aufkommen kann, obwohl hier die ganz großen Themen wie Tod, Leben und Liebe verhandelt werden.

Angabe der Person, Thalia Regisseur Jossi Wieler verlässt sich bei seiner Inszenierung am Deutschen Theater, die nun im Rahmen des Hamburger Theaterfestivals im Thalia Theater zu sehen war, ganz auf seine drei Schauspielerinnen, die dem Text Jelineks Leben einhauchen. Das Bühnenbild, die drehbare Attrappe einer Wohnungsecke, bleibt fast die ganze Zeit unbenutzt und leer. Die drei Darstellerinnen sprechen den Text an der Rampe direkt ins Publikum. Erst als sie sich in einer letzten kurzen Szene zu dritt rauchend in die Wohnungsecke stellen und den Text dialogisch sprechen, bekommt er noch mehr Drive, den er nach zwei Stunden ununterbrochenem Zuhören auch gut gebrauchen kann.

Der schwarze Mönch, Thalia Er lässt in seinem dreistündigen Kunstwerk der sich immer weiter drehenden spiralförmigen Erkundung eine Geschichte mit vierfacher Wiederholung viel Raum für eigene Interpretationen und Sichtweisen. Zumal er durch die drei Sprachen Deutsch, Russisch und Englisch auch zugleich unterschiedliche kulturelle Prägungen mit einfließen lässt. So erbaut und zerstört er die Fantasiehäuser der Kunst auf der Bühne in einem ständigen Prozess der Transformation. Das fantastische internationale Ensemble auf der Bühne macht den Abend zu einem Fest der Schauspielkunst.

Intervention!, Thalia Hier wird also einiges durch den Kakao gezogen: die Familie, die Interventionstherapie und nicht zuletzt das Boulevardtheater. Haußmann und Regener versuchen sich an einer schlauen Parodie des Boulevard. An allem schabt diese Aufführung haarscharf vorbei und kratzt dabei kräftig an der jeweiligen Oberfläche.

Der Sturz der Kometen und der Kosmonauten, Thalia Wütend bis unprätentiös spüren Vater und Tochter ihren Leben und ihrer Beziehung nach. Sie werden sich bis zum Schluss ihrer Reise, die ganz unerwartet und plötzlich ihr Ende findet, nur unwesentlich angenähert haben. Ein Happy End gibt es hier nicht. Aber die Zuschauer:innen sind um etliche Einblicke in die schwierige Prozesse der Migration reicher, die die Trennlinien zwischen die Generationen noch schärfer zeichnet als unter gewöhnlichen Umständen.

Schöne neue Welt, Thalia So erschafft Regisseur Amir Reza Koohestani in seiner Fassung von Aldous Huxleys Science-Fiction-Romans nach einem leise dahinplätschernden Menage à Trois ein Happy End in einer nicht mehr so fernen Zukunft eines Überwachungsstaates, in dem zwar alles geregelt und stabil ist, doch auch so langweilig. Den Menschen all seine Gefühle abzutrainieren, macht auch keinen Spaß, dies erzeugt vielleicht Zufriedenheit, aber eben keine Lebensfreude. Dass gerade das Theater den Anstoß zum Ausbruch aus dieser ach so schönen, glanzlosen Welt liefert, ist für eine Theateraufführung dann doch eine nette Botschaft.(Foto: Armin Smailovic)

Melancholy rooms, Thalia Der junge Regisseur Jakab Tarnóczi erzählt in seinem fast wortlosen Stück mit kleinen Szenen und viel Musik von der Verlorenheit, der Einsamkeit, dem Ausgeliefertsein und den unerfüllten Sehnsüchten lauter vereinzelter Menschen. Mit dem Ensemble des Budapester Katona József Theaters gelingt ihm ein Bilder-Kaleidoskop, das auf eine subtile Weise scheinbar ohne großen Aufwand, aber mit hoher Präzision der abgrundtiefen Melancholie des modernen Menschen Ausdruck verleiht. Langanhaltender Applaus für das Gastspiel aus Ungarn bei den Lessingtagen.

Ödipus Tyrann, Thalia Das ist ein Fest der Schauspielkunst, das alle Aspekte der sich windenden Verleugnung, Erkenntnisverweigerung und Schuldübernahme beleuchtet. Und nebenbei deutlich macht, wohin das führt: Zu einer immer sich weiter fortschreibenden Spirale der Katastrophen. Beim Gastspiel des Schauspielhauses Zürich in Hamburg anlässlich der Lesingtage gab es Standing Ovations.

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