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Probleme, Probleme, Probleme, DSH Doch Rois spielt sie alle an die Wand. Sie vermag selbst den bis zur Sinnlosigkeit mäandernden Textfragmenten noch die Illusion von Inhalt zu geben. Von ihr könnte Pollesch auch das sprichwörtliche Telefonbuch vortragen lassen.

Bluets, DSH Regisseurin Katie Mitchell choreographiert aus diesen Texten einen wunderbar poetischen Abend, der in eine meditative Stimmung versetzt. Er ist technisch bis ins kleinste Detail durchkonstruiert und kommt dennoch leicht und schwebend daher.

Siri Huvstedt, DSH Huvstedt serviert ihre kritischen Kommentaren stets überaus charmant, auch wenn ihre Botschaften klar feministisch sind. Dass bei Frauen immer nach dem schöpferischen Mann hinter dem Werk gesucht wird, merkt sie mit einem freundlichen Lächeln an. So deckt sie auch in diesem Buch wieder einen Kunstraub auf. Das weltberühmte Urinal von Marcel Duchamps ist in Wirklichkeit von der Frühen Dadaisten Elsa von Freytag-Loringhoven.

Die Übriggebliebenen, DSH Familie bedeutet Zerstörung. Davon zeugen die drei Familiengeschichten ( den Theaterstücken "Vor dem Ruhestand", "Ritter, Dene, Voss" und dem Roman "Die Auslöschung. Ein Zerfall"), die Thomas Bernhard geschrieben hat und die Regisseurin Karin Henkel nun im Schauspielhaus zu einem Horrorkabinett zusammengefügt hat.

Wer hat Angst vor V.W.?, DSH Devid Striesow und Maria Schrader sind eine Idealbesetzung für die Hauptrollen. Sie sind absolut gleichwertige Sparringspartner für den Ring, den Regisseurin Karin Beier ihnen auf der Bühne des Schauspielhauses eröffnet.

Präsidentinnen, Malersaal Bodo verzichtet leider darauf, den Text in all seiner Kunstfertigkeit, Sprachverliebtheit, Boshaftigkeit und Schärfe für sich sprechen zu lassen. Dass man den drei Frauen dennoch gerne zusieht, liegt an den drei hervorragenden Darstellerinnen, die es selbst bei all den Oberflächeneffekten schaffen von ihren Verletzungen, ihrer Engstirnigkeit, ihrer Verbitterung und ihrer Beschränktheit zu erzählen.

Schlafende Männer, DSH Was vom Setting an Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels" erinnert, entwickelt sich bei Martin Crimp völlig anders. Hier gibt es keine Fallhöhe, aus der die Figuren zu Boden stürzen; sie entlarven sich in den ersten Minuten ihres Auftrittes selbst mit ihren eigenen Worten. Hier muss ihnen kein anderer die Maske von Gesicht reißen, hier wird keine Fassade aufgebaut, die später einstürzt.

Jenseits der Nationen, DSH Die Zukunft selbst in die Hand nehmen. Dann haben sich die Initiatoren des Balkony Projektes vorgenommen. Am Samstag, den 10.11.18 haben sie 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Europäische Republik ausgerufen.

Antigone, JSH Anne Bader macht aus der Tragödie, die sich eigentlich nicht als ideales Jugendstück anbietet, eine stark verkürzte und dezidiert körperbetonte Inszenierung, die klare Fronten zeichnet. Antigone ist die Mutige, die alles wagt. Kreon ist dagegen der Machtmensch, der Patriarch und der Frauenverächter.

König Lear, DSH Beier entwirft eine Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten. Diese Uneindeutigkeit verzichtet auf eine klare Linie in dieser Regiearbeit, aber auch auf die provozierende Auseinandersetzung, die sie mit ihren früheren Inszenierungen stets hervorrief.

about blank, New Hamburg Mit viel Sinn für Ironie wurde die Beschränktheit der eigenen Mittel vom Regisseur Dor Aloni so rigoros hinterfragt, dass jegliche aufkommende Kitschmomente geschickt gebrochen wurden. (Foto: Christian Bartsch)

Zonck, New Hamburg In "Zonck" entsteht ein liebevoller Bilderreigen über eine Kneipe unterhalb der wirtschaftlichen Effektivität. Dabei werden auch die Streitpunkte nicht ausgespart, aber nur so weit humorvoll ausgetragen, dass sie mit einem Bier oder einer Wurst gelöst werden können. (Foto: Christian Bartsch)

Dauernd dazwischen, New Hamburg Unter der Regie von Raphael Merkle und unter der Mithilfe der Dokumentarfilmerin Dorothea Griesbach ist daraus ein runder, klug geschnittener Abend geworden, der einfühlen lässt in ein Leben unter dem Damoklesschwert der Duldung und damit der ständigen Angst vor einer Abschiebung.

Wolli Indienfahrer, DSH Das Schauspielhaus war gut gefüllt. Viele wollten hören, was Hubert Fichte aus der Kiezlegende Wolli Köhler in einem seiner veröffentlichten Interviews herauslockte. In einer inszenierter Lesung wollte Rocko Schamoni damit an seinen letztes Jahr an einem Schlaganfall verstorbenen Freund erinnern.

Am Königsweg, Schauspielhaus alk Richter lässt nichts aus, um Jelinek Wortgespinste im „Am Königsweg“ auch über dreieinhalb Stunden auf keinen Fall langweilig werden zu lassen. Er lässt die mäandernden Wortschleifen der Nobelpreisträgerin nie nur für sich sprechen sondern, bebildert sie so ausgiebig, als wolle es gegen jedes Wortgebilde ein sichtbares aus Projektionen, Figuren, Fotos, Filmen, Verkleidungen, Requisiten stellen.

Demian, Schauspielhaus Der Roman von Hermann Hesse ist auf der Bühne des Jungen Schauspielhauses von Moritz Beichl mit einem klaren Konzept und dem tollen Ensemble (allen voran: Gabriel Kähler als Emil) sensibel umgesetzt. Die beweglichen, halbtransparenten Schiebewände stehen dabei sowohl für die vielen Fragen, die dieses Stück stellt, aber auch für die Antworten, die es nur andeutet, und so auch nach der Aufführung noch Stoff zum Weiterdenken bietet. (© Sinje Hasheider.)

Anna Karenina , Malersaal So gelingt die zweite Folge der Reihe "Die berühmtesten Seitensprünge der Geschichte" von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk aufs Beste. Dennoch wird es die letzte sein. Es folgen nun die "Nibelungen", wie der Moderator am Schluss in Aussicht stellte. Man darf gespannt sein.

4.48 Psychose, Schauspielhaus Katie Mitchell hat für den Monolog mit einer ausgefeilten Ton- und Lichtregie eine Umgebung geschaffen, die die ganze Geschichte einer tragischen Nacht erzählt. Wieninger ist dafür eine grandiose Darstellerin, der ihre Schmerzen in jedem Moment in ihrem Gesicht anzusehen sind.

Die Nacht kurz..., DSH Regieassistent Leo Schenkel braucht nur ein paar Stühle und ein wahnsinnig gute, in jeder Sekunde präsente Darstellerin, um die Verzweiflung dieses Menschen am Rande der Gesellschaft nachfühlbar lassen zu werden. Ein toller Abend!

Valentin, Schauspielhaus Ab und zu blitzt der Schalk Valentins aber doch durch: Wenn zwei Schauspieler die Geschichte von Aquarium im Dialog vortragen. Ein paar mehr dieser hintersinnigen Wortverdrehungen, die weit über oberflächliche Dekonstruktion hinausgehen, hätte der Abend gut vertragen können.

Tartare Noir, Schauspielhaus Beiers Trilogie über die Verderbtheit des Menschengeschlechts hat hier ihren moralischen Tiefpunkt und damit auch ihren Abschluss erreicht. Nach so viel niederschmetternde Analyse darf jetzt auch gerne wieder ein konstruktiver Blick in die Zukunft kommen. Für eine Spielzeiteröffnung nicht unbedingt ein gelungener Auftakt. Pessimistischer kann ein Beginn kaum ausfallen. (© Thomas Aurin)

Effi Briest, Schauspielhaus Die Inszenierung ist ein grandioses Machmerk von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk. Obwohl es viele Anlässe zum Lachen an diesem Abend gibt, gelingt es dem Regie- und Schauspielerteam die Tragik ebenfalls genügend Raum zu geben. (© Matthias Horn)

Rose Bernd, Schauspielhaus Karin Henkel hat ihre wunderbar dichte, stringente und durchdachte Inszenierung des Hauptmann-Stoffes zuerst bei den Salzburger Festspielen und jetzt auch in Hamburg gezeigt. Mit Lina Beckmann in der Titelrolle, dem Fantasieräume öffnenden Bühnenbild von Volker Hintermeier, einem tollen Ensemble und dem Atmosphäre schaffenden Chor ist eine berührende Aufführung gelungen, der in dieser Spielzeit hoffentlich noch etliche in ähnlicher Qualität folgen werden. (© Lalo Jodlbauer)

Der zerborchne Krug, DSH Selten hat ein Regisseur den Stoff von Kleist so analytisch inszeniert wie Michael Thalheimer am Schauspielhaus. Er hat in seiner Kernbohrungsregie das Stück aller seiner Klamaukverführungen entledigt und damit seinen wahren Inhalt freigelegt. (© Matthias Horn)

Ich kann nicht mehr, DSH Pollesch glaubt nicht mehr an das politische Theater, das ist spätestens mit dieser Arbeit klar geworden. Doch auch der Rückzug ins Private bietet keinen Rückhalt mehr. Wenn sich selbst Küken bewaffnen, ist kein Nest mehr in Sicht.

Trilliarden, DSH Ulrike Lausund hat ein neues Bühnenstück entworfen. In kleinsten Sprech-Einzel-Szenen entstehen Bühnenfiguren, die sich stellvertretend für den Zuschauer über Leben, Tod, Religion und Gott Gedanken machen. Der Wiedererkennungswert ist zunächst hoch. Erst allmählich schleichen sich ernsthaftere Töne ein....(© Klaus Lefebvre, 2017)

Iphigenie, New Hamburg Wer ein leicht eingängiges autobiographisches Selbsterfahrungstheater mit Veddelbewohnerinnen zum Thema "Zwangsverheiratung" erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn hier wurde unter der Regie von Paulina Neukampf ein Theaterabend mit viel Originaltext und hohem künstlerischem Anspruch gegeben...

The Who and the What, DSH Ein intelligentes Stück, das unter der sensiblen Regle von Karin Beier bestens zur Geltung kam. Das lag nicht zuletzt an der tollen Besetzung, allen voran mit Lina Beckmann als fragender, kämpferischer Zarina und Ernst Stötzner als warmherzigem und nur vordergründig autoritärem Vater.

Versuch über die Pubertät, DSH taz: "Ohne Sog oder verführerisches Chaos..." (Fotos © Maurice Kohl)

Der Allmächtige, Schauspielhaus Auch wenn das Ergebnis nicht vollends befriedigend ausfällt: Dass Karin Beier aber in ihrem Haus freien Gruppen wie Rimini Protokoll und Ginsterdorfer/Klaßen den Raum zur Erkundung mit neuen Mitteln bietet, kann zur Erfrischung und Anregung der Staatstheaterlandschaft in Hamburg nur begrüßt werden. Berlin ist schließlich nur knapp über eine Stunde mit dem Zug entfernt.


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