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Die Kunst ist keine Behörde

Die Kunst darf alles, sogar zwei Menschen, die staatenlos sind, miteinander verheiraten. Denn die Kunst ist keine Behörde. David und Becky dürfen in der Immanuelkirche vor den Altar treten. Sie werden vom Pastor (dem Dramaturgen Greg Liakopoulos) zu Mann und Frau erklärt. Doch ihr Bündnis wird vor keiner Behörde anerkannt werden. Denn David und Becky besitzen keine Passdokumente. Obwohl sie schon 25 Jahre ein Paar und Kinder haben, obwohl sie seit den 90ziger Jahren beide in Deutschland leben, besitzen sie keine Ausweispapiere. Sie sind Roma und können damit nur mit einer Duldung in Deutschland leben. Doch das Theater macht es möglich.
Im Laufe der Trauzeremonie kommen den beiden Schauspielern (Sasha Rau, Thomas Mehlhorn), die das Paar als Trauzeugen auf die Bühne der Kirche begleiten, Zweifel. Das sei doch alles nur Theater. Es werde an der Situation der beiden nichts ändern. Alles sei nur inszeniert und mit keinerlei Auswirkungen für die Realität versehen. Dann doch lieber eine Ausländerbehörde anzünden? Oder zum Mord an Horst Seehofer aufrufen? Auch das darf das Theater. Es darf die Kunstfreiheit voll auskosten. Doch auch das wird ebenso wirkungslos bleiben. Dann doch lieber für David und Becky eine schöne Zeremonie in der Kirche abhalten und ihren einen würdigen Moment schenken! Mit den Neon-Rosen, die die Immanuelkirche schmücken, und einem Neon-Jesus, der lächelnd auf sie hernieder blickt!
Mit viel Sinn für Ironie wurde die Beschränktheit der eigenen Mittel vom Regisseur Dor Aloni so rigoros hinterfragt, dass jegliche aufkommende Kitschmomente geschickt gebrochen wurden.
Birgit Schmalmack vom 24.9.18



Dauernd dazwischen, New Hamburg
Zonck, New Hamburg

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