On Fire, Lessingtage

On Fire von Constanza Macras by John Hogg

Ein großes Tablett voller Häppchen

Ein großes Tableau richtet Constanza Macras an. Alle Aspekte des umfangreichen Themas sollen berücksichtigt werden. Die weiße Macras will die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen in ihrer Produktion, die in Johannesburg zusammen mit südafrikanischen Tänzern entstand, angemessen behandeln. Leider wird ihr Abend „On Fire“ so eher zu einer Aneinanderreihung unterschiedlicher Elemente als zu einem großen Wurf.
Zuerst gibt es viele Tanzstile zu sehen. Der Schwarze im Tennisdress, der zu Beginn zarte Runden dreht und sich elfengleich über die Bühne bewegt. Die Begegnung mit dem weißen Tänzer, die zu keiner Berührung sondern nur zu einem vorsichtigen aufeinander Abgleiten führt. Dann energiegeladene Hüftschwünge einer ausladenden schwarzen Tänzerin und der Schmetterlingstanz eines eleganten schmalen Schwarzen. Die Schlenkerbewegungen eines überaus flexiblen Weißen. Danach die zahlreichen schwarz-weißen Paare, die sich gegenseitig die Bewegungen vorgeben, indem sie sich wie Puppen über die Bühne bewegen. Da wird ein Bein vorgeschoben. Der Rumpf gebeugt, der Arm untergeschoben und der ganze Körper gedreht. Dazu im Hintergrund die Fotografien der afro-amerikanischen Fotokünstlerin Ayana V Jackson, die schöne schwarze Menschen in der Natur positionieren.
Dann wackeln die Figuren durch die Kolonialzeit im Stummfilmmodus. Sie stellen Fotografien nach, die immer wieder aus dem Bild fallen und die Machtpositionen karikieren. Danach soll eine Soap kreiert werden, in der die Menschen agieren, aber von einer weißen Übersetzerin synchronisiert werden. Natürlich entspricht die Übersetzung nicht dem Gesprochenen. Dann werden Theorien über die Unterdrückung der Schwarzen durch die Übermacht der Weißen vorgetragen. Wortgewandt, thesen- und gestenreich. Betrachtungen über rituelle Traditionen folgen.
Eine weiße Choreographin kommt herein und will eine echte Neuinterpretation von Shaka Zulu auf die Beine stellen. Ihr Casting gerinnt zur Fleischbeschau und Aussortierung: Zu dick, die falsche Hautfarbe, das falsche Geschlecht, zu viele Muskeln. Einzig ihr offensichtlich schwuler und weißer Assistent weiß, wie der echte Shaka Zulu geht und führt ihn wie einen abgestürzten Schwanensee vor.
So gerät zu der Abend zu einer überaus korrekter aber dennoch – zumindest für deutsche Zuschauer - beliebig wirkenden Show statt zu einem enervierenden, berührenden und spannenden Tanzerlebnis. Hier redet jemand von etwas, was er nicht so gut kennt wie zum Beispiel das Großstadtleben von kosmopolitischen Künstlern in Berlin oder New York, denen sie sich in ihren letzten Arbeiten widmete. Marcras versucht sich mit Humor und Selbstironie aus der Affäre zu ziehen, dennoch gelingt das keineswegs so gut, wie bei Themen, die ihre eigenen sind.
Birgit Schmalmack vom 1.2.16

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Tagesspiegel