Der alte Mann und das Meer, Altonaer Theater
Der alte Mann und das Meer, Altonaer Theater
Kooperation mit dem Theater Lindenhof
Wofür lebt man?
Hat er einen Fehler gemacht? Ist er dem großen Fisch in die Falle gegangen? Hat dieser etwa einen Plan und er selber nicht? Hat er überhaupt ein Recht dazu, dieses starke, würdevolle Geschöpf zu töten? Das sind einige der Fragen, die sich der alte Mann stellt, als er tagelang mit einem Merlin kämpft, den er an seinem Köderseil hat.
Seitdem er nichts mehr fängt, muss er alleine rausfahren. Der Junge, der ihn früher begleitet hat, hilft nun anderen Fischern. Dieses Mal ist er sehr weit rausgefahren, zu weit? Er will nicht schon wieder ohne einen Fang zurückkommen. Er will sich noch einmal beweisen, dass er es noch kann. Und so findet er sich gekettet an den großen Fisch wieder, der ihn durch das Meer dirigiert. Oder ist es umgekehrt? Ist der alte Mann nicht ein überaus erfahrener Fischer? Kennt er nicht alle Tricks, die einen Fisch überlisten könnten? Kann er nicht dadurch sein Alter und seine nachlassende Kraft wettmachen?
Der alte Mann gibt nicht auf, auch wenn er im Laufe seines waghalsigen Unterfangens immer wieder ins grundsätzliche Zweifeln gerät. Und schließlich bezwingt er den Fisch. Er hat es geschafft. Vermeintlich ein Sieg, doch wofür? Der Fisch hat ihn zu weit herausgelockt und er muss nun eine so lange Strecke zu seinem Heimathafen zurücklegen, dass dessen Blutspur immer wieder Haischwärme anlockt. Diese werden nicht nur seiner Beute, sondern auch ihm selbst gefährlich. Doch er schafft es in den Hafen. Allerdings ist von seinem Fang dann nichts mehr übrig. Er hat knapp sein eigenes Leben gerettet. Sieg oder Niederlage, diese Frage bleibt unbeantwortet.
Die Umsetzung, die Regisseur Luca Zahn mit seinem Vater, dem Schauspieler Stefan Hallmayer, jetzt auf der Bühne des Altonaer Theaters zeigt, konzentriert sich ganz auf den Text von Ernest Hemingway. Inmitten von schwarzen Plastikplanen, die das Meer, den Wind, die Wellen und den Fisch darstellen können, steht ein hölzernes Bootskelett auf Rollen, in dem der alte Mann im Laufe seiner lebensgefährlichen Jagd über sein Tun und sein Leben nachdenkt. Je verzweifelter seine Lage wird, desto tiefschürfendere Fragen muss er sich stellen. „Es gibt niemanden, der es wert wäre, ihn zu essen, aufgrund seines Verhaltens und seiner großen Würde.“ Doch schließlich, er ist nur ein Fischer und das ist sein Beruf. „Ich weiß es nicht.“ Der Monolog von Hallmeyer zieht in seinen Bann. Das liegt nicht nur an seiner überzeugenden Darstellung des alten Mannes, sondern auch an dem immer noch beeindruckenden Text von Hemingway, der nichts von seiner Wirkungskraft verloren hat. In einfachen klaren Sätzen widmet er sich grundlegenden philosophischen Fragen des Menschseins, die berühren.
Birgit Schmalmack vom 28.4.26
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