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The boys are kissing. Thalia

Der K-U-S-S


Eine Situation wie bei Yasmina Reza: Zwei Elternpaare treffen zusammen, um das Verhalten ihrer beiden Söhne zu besprechen, das in der Schule für Aufregung gesorgt hat. Die beiden neunjährigen Jungs haben sich auf dem Schulhof geküsst. Zwar bemühen sie alle Vier um eine besonnene Klärung der Situation, doch schon bald brechen die Vorurteile und Klischees, die sie nur mühsam unter ihrer bürgerlichen Firnis der Gutmenschlichkeit und Toleranz verborgen halten, an die Oberfläche. Da das eine Elternpaar aus zwei Müttern besteht, unterstellt das Hetero-Paar deren Kind sofort eine vererbte Anlage. Die anderen Eltern an der Schule drängen ihre Kinder, den Jungen des lesbischen Paares zu meiden. Dessen Freund muss sich positionieren: Entweder steht er zu ihm und wird ebenfalls ausgeschlossen oder er ordnet sich der Sichtweise der Mehrheit unter. Seine Eltern raten ihm zu letzterem.

Doch die Jungs treten hier nicht auf. Es wird nur über sie geredet, nicht mit ihnen. Ihre Eltern wollen nichts verkehrt machen und machen dabei kaum etwas richtig. Soweit aus Stücken wie „Gott des Gemetzels“ bekannt. Doch bei dem Well-Made-Play „The boys are kissing“ des englischen Autoren Zak Zarafshan gibt es noch eine weitere Ebene: Bei ihm treten zwei Wächter:innen der queeren Community auf. Sie rauschen in der Inszenierung von Anne Lenk als taftgerüschte, güldene Engel heran. Entweder vom Himmel herabschwebend oder auf selbstfahrenden Untersätzen hereinrollend. Sie sind Engel mit Zauberkräften. Sie können in das Geschehen eingreifen, indem sie sich in reale Personen verwandeln und so den Fortgang bestimmen.

Es ist ein echtes Feel Good Stück geworden, mit einer netten Botschaft, mit klar gezeichneten Figuren, die sich selbst entlarven und Wiedererkennungswert besitzen, mit einer hohen Lacherquote und dem nötigen Zauberfaktor. So etwas sieht man im Thalia Theater nicht so häufig. Ein Stück, das auf gute Sommerlaune und einen beschwingten Theaterabend mit großem Abschlussapplaus abzielt. Gut gemachte Unterhaltung, aber leider auch nicht mehr.

Birgit Schmalmack vom 12.7.26

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