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Othello, Staatsoper

Othello, Staatsoper

Das Band der Liebe

30 Jahre ist dieses Ballett alt und hat doch nichts von seiner Kraft verloren. 1985 brachte es John Neumeier auf Kampnagel heraus. 2008 wurde es wieder aufgenommen und auch 2015 wird es immer noch an der Staatsoper gespielt. Dass es immer noch fasziniert, liegt einerseits an der Zeitlosigkeit des Shakespeare-Stücks und andererseits an Neumeiers Zugriff auf den Othello-Stoff.
Ein weißes Tuch ist das Band der Liebe zwischen Othello und Desdemona. Nur mit diesem Tuch bekleidet nähert er sich ihr in ihrer ersten Stunde der Zweisamkeit. Am Ende wird er es lösen, ihr in die Hand drücken, um sie beide schlingen und so den Band zwischen ihnen knüpfen. Doch genau dieses Band wird es später wieder sein, dass sie entzweit. Mit ihm spinnt der intrigante Jago (Otto Bubenicek) sein Netz aus Lügen, Verdächtigung und Manipulationen.
Denn die beiden so Verbundenen sind eigentlich blind geblieben für den wahren Charakter des Geliebten. Die Bilder, die sich von anderen gemacht haben, spuken im Kopf herum. Desdemona verliebt sich den schwarzen Wilden, Othello in die elfenhafte blondgelockte Unschuld. Diese Vorstellungen verstellen die Sicht auf den anderen und verhindern das wahre Verständnis.
John Neumeier findet in seinem Ballett Bilder für die verschiedenen Welten, die sich hier begegnen. Die derbe Männerwelt der Militärs, in der Jago sich bewegt, stürmt mit johlenden Flüchen die Bühne. Die Welt der Desdemona ist dagegen von weißen, zarte Menuett tanzenden Menschen geprägt. Dazwischen steht der dunkelhäutige Othello. Als siegreicher Offizier sollte er von den Militärs eigentlich geehrt werden, doch hier bleibt er genauso wie in der weißen Gesellschaft ein Außenseiter. Umso mehr ist er von den Avancen Desdemonas gerührt. Doch tief sitzen seine Zweifel, die er nicht so leicht abstreifen kann. Als Jago ihm mit sicherem Gespür für seine empfindlichen Stellen peu a peu das Gift der Eifersucht in sein Herz tropft, brodelt es in ihm. Doch in dem letzten Pas de deux ist es nicht die blinde Wut, die ihn zum Äußersten treibt. Dieser Othello tötet seine Geliebte aus Liebe. Voller Wehmut, Angst, Unsicherheit und Schmerz ist ihr Todestanz.
Neumeier interessiert sich für die psychologischen Hintergründe dieser Tragödie und nicht für die spektakulären Handlungen. Mit einer Musikauswahl von Arvo Pärt, Nana Vasconcelos und Alfred Schnittke, die den sowohl die Harmonie wie den Schmerz zum Ausdruck bringt, geht er direkt in die Emotionen hinein, die er untersuchen will. Mit den beiden wunderbaren Tänzern Helène Bouchet und Amilcar Moret Gonzales beginnen der Zauber der Liebe, die Aufruhr der Eifersucht und die Unsagbarkeit des Schmerzes zu tanzen.
Birgit Schmalmack vom 5.1.15



Zur Kritik von

Abendblatt 
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