Pampa Blues

Pampa Blues by G2 Baraniak



Coming out of Age im Nirgendwo

Aus den Buchstaben des Ortsnamens Wingroden lässt sich nicht umsonst das Wort Nirgendwo bilden. Oder wie der sechszehnjährige Ben es ausdrückt: „Ich lebe am Arsch der Welt.“ Hier hat ihn seine Sängermama mit seinem dementen Großvater Kurt zurückgelassen, während durch die Welt tingelt. Hier darf er sich nun zwischen den traurig vor sich vegetierenden Höfen oder mit den Bierbuddeln schon am Vormittag ploppenden Bauern langweilen und von einer Fahrt durch Afrika mit seinem selbst ausgebauten VW-Bus träumen. Liebevoll betreut er seinen Großvater, bei dem er eigentlich eine Lehre zum Gärtner machen sollte, doch das Gewächshaus steht leer und Ben bastelt lieber an den Motoren der Traktoren herum, die wieder einmal vereckt sind. Doch eines Tages bleibt das Auto eines jungen Mädchens namens Lena liegen und Bens Kenntnisse sind gefragt. Durch sie erhält die Welt Einzug in Wingroden und Ben beginnt die Landschaft und die Leute mit ihren Augen zu sehen.
Die Coming-out-of-Age-Komödie, die Regisseur Beno Ifland am Altonaer Theater mit leichter Hand aus dem Jugend-Roman von Rolf Lappert macht, vereint skurrilen Witz und liebevolle Charakterstudien. Den Hauptfiguren gesteht er eine ernsthafte Entwicklung zu, während er die Nebenfiguren eher als Landeier-Klischees zu Gagbringern benutzt. Raphael Gehrmann spielt Ben mit jungenhaftem Charme, liebeswürdiger Unreife und ernsthafter Bindung an seinen Großvater. Der wiederum wird perfekt von Hand Kahlert dargestellt. Sein krächziges „Danke“ und sein immerwährendes „Wo fahren wir denn hin?“ lassen die Zuneigung von Ben absolut glaubwürdig erscheinen. Um sie kreist die Inszenierung, inklusive der fahrbaren Holzkisten, die immer wieder neue Dorf-Räume entstehen lassen, ohne das das je zu aufwändig erscheinen würde. Das ergibt eine amüsante, überhaupt nicht anstrengende Mischung und bleibt damit im Tenor eines lehrhaften Jugendbuches, bei dem man beiläufig etwas über die Sorgen und Nöten der pubertierenden Landjugend und demente Senioren erfährt und dabei auch für Erwachsene einen bezwingenden Unterhaltungsreiz entfaltet.
Birgit Schmalmack vom 13.5.14