Revolution in Altona

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Revolution in Altona

Kreuzberg-Feeling in Altona
Klobürsten im Rucksack oder Sandsackbarrikaden? Es lebe die Revolution! Wie groß die Energie zum Aufbegehren gestern und heute in Hamburg war und ist, wollte der Berliner Lukas Langhoff in seiner Inszenierung „Revolution in Altona“ am Altonaer Theater erkunden.
Sie beginnt historisch. 1923 sollte die große Revolution von Hamburg aus starten. Eifrig wurden Sandsäcke gestapelt, über die ganze Bühne sind sie verteilt. Mühsam lässt sich nur darauf fortkommen. Ein prägnantes Symbol für das magere Ergebnis des Aufstands der vereinigten Arbeiterschaft, das schnell vom Militär unterdrückt wurde. Auch ein Vorbote für den Sprung in die Gegenwart? Nach der Pause sitzen entspannt die fünf Möchtegernaufständischen auf einem riesigen Sofa. Aus den Sandsäcken für die Barrikaden ist es gebaut. Heute kann man es sich sehr gemütlich machen auf der vermeintlichen Revolution. So gerät sie dann auch mehr zum Event der Coolen, die sich so gerne mit den linksliberalen Attitüden der roten Flora und der Reeperbahn schmücken. Auf dem Sofa lässt es sich trefflich diskutieren, zur Not auch mit einem bayerischen CSU-ler und einem gutbürgerlichen Hanseaten.
Der Berliner Regisseur Lukas Langhoff hat sich des Hamburger Stoffes für das Altonaer Theater angenommen. Als echten Altonaer Jung hat er Adam Bousdoukos in seinem Ensemble, ansonsten kommen alle anderen Darsteller direkt aus Kreuzberg. Genügend aufständischen Geist bringen sie mit, allerdings mag er so gar nicht zu dem Publikum im bürgerlichen Altonaer Theater passen. Hier findet die sympathische, unkonventionelle Mischung aus Historie, Comedy und Musik mit linksliberalem Impetus nicht so viel Anklang wie das vielleicht im Ballhaus Naunynstraße in Berlin der Fall gewesen wäre. Eine kleinere Hamburger Bühne, deren Publikum auch Experimentelles erwartet und goutiert, hätte dieses Format auch in der Stadt an der Elbe verdientermaßen noch mehr würdigen können.
Birgit Schmalmack vom 26.4.14




 

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