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Meisterklasse, Schmidtchen

Meisterklasse, Schmidtchen

Morris MacMatzen

Hart zu sich und den anderen

Sie belle oft, aber sie beiße nicht, verspricht Maria Callas zu Beginn ihrer "Meisterklasse", die sie im Schmidtchen abhält. "Versuchen Sie es nicht bloß, tun Sie es mit ganzem Herzen!", rät sie ihren Schülern. Ihre drei Studenten bekommen ihre harten Maßstäbe und hohen Ansprüche zu spüren. Wer es vom pummeligen armen Mädchen mit dicker Brille, aber ohne jedes Stilempfinden zum verehrten Opernstar, Ehefrau des reichsten Griechen und zur schönen Frau mit wahrhaftiger Klasse gebracht hat, darf sich ein wenig Arroganz erlauben. Ihre Erfolgsgeschichte gibt ihr das Recht zu einem gewissen Grad an Selbstherrlichkeit, die sie galant mit ein wenig Selbstironie würzt.

Annic-Barbara Fenske gibt der Figur der legendären Diva Glaubwürdigkeit, Tiefgang und Menschlichkeit. Sie zeigt jedoch neben ihren Stärken auch ihre Schwächen. Bei ihrem zweiten Ehemann, dem reichen Onassis, konnte sie nicht die Liebe finden, nach der sie hungerte. War sie sonst gewohnt angebetet zu werden, war sie jetzt die Zurückgewiesene. Doch Fenske zeigt auch den Motor ihres großen Ehrgeizes: die tiefe Leidenschaft für die Musik. Wenn sie eine ergreifende musikalische Leistung von einem Schüler hört, vergisst sie ihr "Bellen" und ist zu Tränen gerührt.

Fenske verkörpert diese Frau mit einer verblüffenden Perfektion. Mit jedem Zurückstreichen ihres Haares, mit jedem eleganten Schreiten über die Bühne, mit jedem strafenden Tonfall meint man die Callas vor sich zu sehen. Regisseur Corny Littmann wollte allerdings auch die komischen Aspekte dieser Übungsstunden nicht zu kurz kommen lassen. Die drei Schüler:innen (Freja Sandkamm in einer Doppelrolle und Ljuban Zivanovic) haben zwar wunderschöne Stimmen, müssen aber ihre jeweilige Unbeholfenheit und Unerfahrenheit so dezidiert ausspielen, dass der Musikgenuss fast in den Hintergrund tritt.

Mit Littmanns geschickten Mix aus Ernsthaftigkeit und Komik war im Schmidtchen trotz für den Ort ungewöhnlichen Stoffs für gute Stimmung in den gut gefüllten Zuschauerreihen und begeisterten Applaus gesorgt.





Birgit Schmalmack vom 20.3.04

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