Freischütz, Opernloft

Freischütz, Opernloft



Eine Frau, zwei Männer und der Teufel

Zwei Männer hocken nebeneinander auf der Treppe. Der eine hält verzweifelt eine Pistole in den Händen, der andere versucht ihn zu trösten. Noch wirken die Beiden wie Freunde. Doch ihr Verhältnis ist erheblich vielschichtiger, wie sich in den nächsten Stunden erweisen wird.
Der Auftritt von Agathe (Luise Hansen) macht es klar: Hier sitzen auch zwei Konkurrenten um dieselbe Frau auf der Treppe. Und als Kaspar Max überredet sein ausbleibendes Jagdglück durch einen Pakt mit dem Teufel auszugleichen, mit dem er selbst eine geheime Verabredung getroffen hat, treten seine eigentlichen Absichten vollends zutage.
Max (August Schram) ist eine so gutgläubige und brave Seele, dass er den Vorschlägen seines vermeintlichen Freundes ganz treuherzig folgt. Dabei entpuppt sich Kaspar (Sönke Tams Freiers) in der Inszenierung der Nachwuchsregisseurin Kerstin Steeb am Opernloft schnell als verschlagener Typ, der allzu gerne den großen Macker spielt. An Sprüchen fehlt es ihm in dieser um viel Zwischentext angereicherten Fassung denn auch nicht. Agathe steigt gerne auf die Flirtangebote des attraktiven coolen Boys ein und nutzt jede Gelegenheit um sich mit ihm einen frechen verbalen Schlagabtausch zu liefern, bei dem der treue Bär Max mit seinem Bauchansatz und schwindendem Haar zu einer Randfigur degradiert wird.
Die Bühne ist vielseitig nutzbar. Die drei gotischen Fenster mit dem langen, davor stehendem Tresen dienen ebenso als Kirchenausstattung für die anstehende Hochzeit wie als Bartresen, an dem Max mit Alkohol für Kaspars Pläne gefügig gemacht wird, als auch als Zauberstätte in der Wolfsschlucht, auf der die Freikugeln gegossen werden.
Mit einem hohen Anteil an Jugendsprache wird der Freischütz auf schmissig-unterhaltsame Aktualität getrimmt. Der mystische Stoff des Originals von Carl Maria von Weber wird so auf jugendtaugliches Soapniveau heruntergeschraubt. Der Unterschied zwischen den beiden Ebenen wird besonders deutlich, wenn die drei hervorragenden Sänger der Musik Raum geben dürfen. So wird diese Kurzoper zu einem kurzweiligen Appetithäppchen und macht Lust auf das Original.
Birgit Schmalmack vom 8.12.14




 

Freischütz im Opernloft by Inken Rahardt

Zur Kritik von

 
 
godot 


Tosca

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