Kleiner Mann, was nun?

Kleiner Mann, was nun?, Kammerspiele



Die kleinen Leute

Pinneberg und Lämmchen sind zu kleinen Stehpuppen geschrumpft. Sie verkörpern die sprichwörtlichen kleinen Leute. Zwar ist Pinneberg kein Arbeiter mehr sondern ein Angestellter, aber das hilft ihm wenig in der Zeit der großen Wirtschaftskrise am Ende der Weimarer Republik. Riesengroße Pappfiguren sind ihre Chefs, die sie herumkommandieren und für ihre ökonomischen Zwecke ausnutzen.
Die Puppenspielerin Claudia Spörri ist im Dauereinsatz. In Personalunion spielt sie alle Figuren aus Hans Falladas Roman "Kleiner Mann was nun?" gleichzeitig. Sie bedient die kleinen Puppen Pinneberg und Lämmchen, aber auch die Eltern, die Chefs, die Vermieter und alle weiteren, die dem jungen Ehepaar auf ihrem Lebensweg begegnen. Am Cello und Loop begleitet versiert Lynda Cortis.
Das Bremer Figurentheater zeigte ein Puppenspiel, das geschickt die verschiedenen Spielebenen benutzte, um jeder Figur zu ihrem Ausdruck zu verhelfen. Mit Hilfe der Livekamera wurden die kleinen Puppen auf Leinwandgröße gebracht. Anrührend wird die Ohnmacht der kleinen Leute geschildert. Doch die Liebe der Pinnebergs überwindet alles. Trotz der Depression, die auch Pinneberg aufgrund seiner Arbeitslosigkeit erfasst hat, findet er in seiner Frau den Halt, der ihn vor dem Absturz zu retten vermag. So scheint es zumindest. Doch während die beiden noch in trauter Zweisamkeit beisammen sitzen, ertönt schon die Nachricht aus dem Rundfunkgerät: Hitler ist zum Reichskanzler ernannt worden, nicht zuletzt mit den Stimmen der kleinen Leute.
So bekommt die Inszenierung von Thomas Weber-Schallauer in den letzten Minuten einen politischen Akzent, der über das Stück hinausweist. Während des gekonnten Spiels der Tausendsassa-Spielerin Spörri blieb das Stück ganz in der Weimarer Zeit verhaftet. Erst zum Schluss wird klar, warum dieser Stoff auch heute noch so interessant ist.
Birgit Schmalmack vom 20.6.19



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