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Die Hüter der Sozialen Marktwirtschaft, MUT-Theate

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Wer Visionen hat, muss zum Arzt

"Es hat sich einfach aus mir herausgeträumt," behauptet der "Fall" (Christian Eldagsen). Er klagt an und wird dafür angeklagt. Die zwei Psychiater (Christa Krings, Tom Pidde) in ihren weißen Kitteln haben ihn zu beurteilen. Ihr "Fall" hat eine klare Meinung, er hat Wünsche, er hat sogar Visionen. Also ein gefährlicher Zeitgenosse! Er beklagt vieles: Die galoppierende Globalisierung. Den scheinbar alternativlosen Neoliberalismus. Die Rentenlüge. Die Verantwortung Deutschlands an der Schuldenkrise Griechenlands. Die Bereicherung der Finanzwirtschaft und die sukzessive Umschichtung der Vermögen zu Lasten der Armen.
Alle drei sind wie Clowns geschminkt. Sie werfen ihre Positionen wie bunte Reifen in die Zirkusarena der Meinungen. Doch im Laufe des Stücks wird klar: Sie sind traurige Clowns, die nur gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Denn das Stück von Christian Eldagsen hat es in sich. Eigentlich steht nicht der kleine Mann vor Gericht sondern Deutschland. Die Richterin in ihrem Tütü, Glitzertop und gestreiften Leggings nimmt den Angeklagten wider Erwarten ernst. Sie geht seinen Vorwürfen Punkt für Punkt nach. Akribisch prüft sie seine Argumente, die er selbst nicht formulieren kann. Dafür hat er seinen Anwalt, der ihm aufs Haar gleicht. Wenn er sich in ihn verwandelt, wird aus seiner Sträflingsuniform ein Anzug mit Krawatte und er im Handumdrehen zu einem Argumentationskünstler, der gut recherchierte Belege für seine Thesen hat. Da kann der Staatsanwalt, der neben der Richterin auf seinem Podest hockt, noch so die Nase rümpfen: Am Ende wird der Angeklagte frei gesprochen. Denn er hatte recht.
Der politisch engagierte Stoff wird von der jungen Regisseurin Laura Jakschas so geschickt in die Zirkusarena verfrachtet, dass es eine Freude ist, den drei Dasrstellern dabei zuzusehen, wie sie sich blitzschnell in ihre Zweit- und Drittrollen verwandeln und sich dabei gegenseitig zu immer neuen Höchstformen anregen. Voll humorvoller Einfälle, liebevollem Witz, blitzschneller Verwandlungskunst und mit einem grandiosem Ensemble bekommt dieses inhaltlich gut recherchierte und politisch bitter nötige Stück mehr als nur eine zusätzliche Ebene und gewinnt dabei so eine spielerische Leichtigkeit, dass es nicht nur ein inhaltlich interessanter sondern auch höchst unterhaltsamer Abend wurde. Man wünscht diesem Stück noch viele Aufführungen vor prall gefüllten Zuschauerreichen.
Birgit Schmalmack vom 25.11.19



"Die Nacht der von Neil Young Getöteten", Thalia
Gier, Museum für Hamburgische Geschichte

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