Private Peaceful, Kammerspiele

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Abendblatt 
 
 


Private Peaceful



Der Sound des Krieges

Die beiden neuen Freiwilligen heißen mit Nachnamen Peaceful. Eine Provokation für ihren Sergeanten, auf den sie in ihrer Ausbildung treffen. Hier bekommen sie schon einen Vorgeschmack darauf, dass die Gefahren nicht nur auf der anderen Frontseite zu finden sind. Strafrunden mit und ohne Gepäck, im Regen oder bei glühend heißem Sonnenschein und Extrawachen sind zunächst die Folge.
Robert Stadlober steht, liegt, läuft und kämpft als Thomas Peaceful alleine auf der Bühne zwischen den silbernen Schützengrabenwänden. Er berichtet in seinem Monolog aus dem Alltag eines kleinen Soldaten im ersten Weltkrieg. „Die Frauen werden euch lieben“. „Euer Land braucht euch!“ Diese Sprüche hatten ihn einst in den Dienst gelockt. Doch keines der Versprechen hat sich erfüllt. In den Schützgräben warten kein Ruhm sondern nur Ratten, Läuse und Schlamm. Frauen begegnet man allerhöchstens hinter der Essensausgabetheke. Vom Feind sieht man meistens nur deren Schützengräben. Geschossen wird in den Nebel der Explosionen hinein. Ansonsten heißt es mit Schlafentzug, Langeweile und Panik auskommen. Die Angst lernt Thomas in verschiedenen Ausformungen kennen. Den Geschmack des Todes auf den Lippen duckt er sich in seinen Graben und ist nicht nur dem Feind sondern auch seinen Vorgesetzten gnadenlos ausgeliefert. Als er einen selbstmörderischen Befehl verweigert, wird er vors Kriegsgericht gestellt.
Der Monolog, den Stadlober und Martin Dueller in einer Fassung von Simon Reade auf die Bühne der Kammerspiele bringen, schildert die Sinnlosigkeit des Krieges in einer ganz persönlichen Form. Heruntergebrochen auf die Geschichte eines einzelnen jungen, sympathischen Mannes, der zwischen den Fronten eingekesselt sinnlos sein Leben opfern muss, weiß die Geschichte zu berühren. Unterstützt wird Stadlober auf der Bühne von Andreas Spechtl, der dazu den Soundtrack liefert. Die Geräuschkulisse des Krieges wird besonders sinnlich erfahrbar, wenn Stadlober dabei zum Mikro greift und seine Gedanken und Gefühle ins Mikro rappt, während der Musiker mit seinem Elektro-Equipment die Sounds des Krieges, des Todes und Lebens live erzeugt.
Ein interessanter, mutiger Abend, mit dem sich die Kammerspiele in neues Terrain vorwagten.
Birgit Schmalmack vom 5.9.15



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Ich wär so gern ein 6Appael, Logensaal

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