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Was ihr wollt

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Was ihr wollt

Das grenzenlose Spiel der Identitäten

Keiner ist auf der dieser Insel das, was er scheint. Alle sind mit dem Spiel der Identitäten beschäftigt, nicht immer freiwillig. Das Zwillingspaar Viola (Louisa Stroux) und Sebastian (Benno Lehmann) wird nach einem Schiffsunglück getrennt voneinander an das Land gespült. Viola verkleidet sich fortan als Jüngling und verdingt sich als Diener bei dem Grafen Orsino (Frank Röder). Ihre hauptsächliche Aufgabe ist, den Liebesboten zu geben, denn Orsino ist unsterblich in die Gräfin Olivia (Dimostenis Papadopoulus) verliebt. Die befindet sich jedoch in tiefster Trauer um ihren jüngst verstorbenen Bruder- jedenfalls solange bis sie den schönen Jüngling erblickt. Nun sind auch ihre Lebensgeister wieder erweckt. Viola ihrerseits verguckt sich in ihren Chef, der sie aber natürlich für einen Jungen hält. Erst als alle herausfinden, dass es Viola gleich doppelt, als Mädchen und als Jungen, gibt, scheint sich alles zum Happy-End zu fügen.

Doch bei Mona Kraushaars Inszenierung des Shakespeare-Klassikers „Was ihr wollt“ am Ernst-Deutsch- Theater bleiben auch dann noch ein paar Irritationen. Sie hat die Rolle der schönen Gräfin mit einem Mann besetzt. Für seine Vereinigung mit dem Zwillingsbruder Sebastian zeigt er bei heruntergelassenem Brautkleid seine Männerbrust. Doch genau diese ironische Brechung verleiht der boulevardesken Oberflächlichkeit der Shakespearschen Verwechselungskomödie Würze und Hintergründigkeit. So verzichtet Kraushaar auch konsequenterweise auf das Happy-End und lässt den traurigen Narr auf seiner Schaukel lieber verkünden: Alles einerlei! Ob Mann, ob Frau, ob Vereinigung oder Enttäuschung, das Leben nimmt seine eigene Bahn.

Mit einfachen Bühnenmitteln entsteht aus Schilfhalmen, Grabkreuzen, einer Badewanne, einem Hochsitz und Schaukeln auf der Drehbühne eine Zauberinsel, auf der auch die skurrilen Geschöpfe aus Shakespeares Fantasie gedeihen können. Tolle Unterhaltung auf hohem Niveau.

Birgit Schmalmack vom 31.8.13




 

Was ihr wollt Foto: Oliver Fantitsch

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