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Sugar Island, Kampnagel

Sugar Island, Kampnagel

(Foto: Mila Ercoli)

Eine Insel aus Ballett(Alp-)träume


Eine Ballerina (Cecile Brousse) ganz alleine auf der Bühne. Immer wieder guckt sie sich verunsichert um. Sie wirkt wie in einem Traum, der sie in alle ihre Aufführungen zurückwirft. Sie durchlebt Momente aus den Ballettaufführungen, die sie sich getanzt hat, doch verliert immer wieder den Faden und ist wieder raus aus ihrer Erinnerung. Bald darauf scheint ihr der nächste Schnipsel ihrer getanzten Vergangenheit einzufallen, doch losgelöst von allen anderen Menschen auf der Bühne, die darin vorkommen. Sie ist die einzige im Rampenlicht, die hier um ihre Performance ringt. Immer wieder bricht sie ab. Ihre zerborstenen Ballette bilden ein Knäuel der Vergangenheit, bzw. ihrer Erinnerung davon. Wenn sie aus ihnen herausfällt, findet sie sofort in ihre Trainingsroutine hinein. Dann macht sie Dehnungsübungen oder trainiert einzelne Ballettpositionen. Oft ist der Scheinwerfer woanders und sie muss sich zu ihm hinbewegen statt, dass er ihr folgt.

Überhaupt das Licht von Gilles Genter. Das spielt hier die zweite Hauptrolle. Es dient nicht der Darstellerin sondern wird selbst zu einem Protagonisten, der nach ganz eigenen unvorhersehbaren Regeln spielt. Ebenso eigenständig agiert die Musik von Oscar Bueno, die die Ballerina begleitet, anleitet oder kontrastiert. Motive aus Ballettmusiken mischen sich mit Elektrosounds, die zu einem unvorhersehbaren Mix zusammenfügt. Die Ballerina scheint austauschbar, denn eine zweite, die ihr Double sein könnte, arbeitet schon hinter den Kulissen. Zum Schluss bekommen beide Frauen den gleichen Blumenstrauß überreicht. Die Choreographie von Cuqui Jerez ist hintersinnig erarbeitet. Sie unterläuft sämtliche Erwartungen, so sehr, dass ein paar Zuschauende es vorzogen frühzeitig zu gehen. Doch es lohnt sich den Traum dieser Ballerina, der sich zeitweise zu einem roten Stakkato-Alptraum entwickelt bis zum Ende zu verfolgen. Erst aus der Rückschau wird die klug gebaute Dramaturgie richtig erkennbar.

Birgit Schmalmack vom 11.8.26

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