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The picture of Dorian Gray, English Theatre

Für immer jung


Er würde seine Seele dafür geben, wenn er für immer so jung und schön bleiben könnte. Das sagt Dorian ganz unbedarft, als er sich auf dem Gemälde seines Freundes und Malers Basil erblickt. Nicht ganz unschuldig an dieser Äußerung ist seine kurz zuvor erfolgte Begegnung mit Lord Henry Wotton, auf den er in Basils Atelier getroffen ist. Der Zyniker und Menschenkenner wird auch in der Folge seine Manipulationskünste spielen lassen. Denn es geschieht das Unglaubliche: Dorians Wunsch geht in Erfüllung. Das Bild altert, er aber bleibt von Alterszeichnungen verschont. Stattdessen muss er aber feststellen, dass ihm auch seine Empathie verloren gegangen ist. Auch wenn Lord Henry ihn beständig darin bestärkt, nur seinem Vergnügen zu leben, erkennt Dorian, als er sein mittlerweile wahres, skrupelloses Ich auf dem Gemälde erblickt, dass sein damaliger Wunsch fatale Auswirkungen hatte.

Im English Theatre bringt Regisseur Paul Glaser den Klassiker von Oscar Wilde zu einem besonderen Zeitpunkt auf die Bühne. Das English Theatre feiert dieses Jahr sein 50jähriges Bestehen. Mit nur vier Ensemblemitgliedern, drei Männern (Joshua Campell-Hart, William Obeldiston-Hawkes, Ben Kenzie) und einer Frau (Jessica Saunders), zeigt er das faustische Stück. Im beständigen Rollenwechsel spielen sie auch alle Nebenrollen. Das hat zur Folge, dass ab und zu auch die männlichen Schauspieler in Frauenrollen springen müssen. Glaser nutzt das Potential dieses Stück sowohl zu Humor wie zu Spannung steigernden Möglichkeiten voll aus. Die Seitenhiebe auf die britische Gesellschaft des zur Satire begabten und des Sprachwitzes mächtigen Lord Henry tun ihr Übriges, um den Abend auch mit intelligenter Gesellschaftskritik anzureichern. Dass Glaser die metaphorische Bedeutungsebene nicht in den Mittelpunkt seines Interesses stellte, muss ja nicht bedeuten, dass diese im Zuschauerraum unbemerkt blieb.

Das Bühnenbild nutzt eine rollbare Treppe, die im selben viktorianischen Tapetenmuster verkleidet ist wie die Wände, um immer wieder neue Räume entstehen zu lassen. Zudem sorgen die Projektionen auf der Rückwand dafür, dass die Atmosphäre eines früheren Londons mit Pferdekutschen und Kopfsteinpflaster eingefangen wird. Dort sind auch die drastischen Veränderungen in Dorians Porträt in Übergröße zu verfolgen. Das Publikum feierte bei der Premiere besonders die schauspielerischen Leistungen und die Wandlungsfähigkeit des kleinen Ensembles, völlig zu Recht. Hier standen wie immer Vollprofis auf der Bühne, die ihr Handwerk verstehen.

Birgit Schmalmack vom 7-9-26

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