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Sturm-Frey

Sturm
Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind
Prospero ist ein Herrscher über die Geschichten und die Träume. So sitzt er an seinem langen Tisch mit den vielen leeren Stühlen und mit seinen Büchern und erfindet sich sein Traumgespinst. Johann Adam Oest schleicht sich auf leisen Sohlen in sein eigenes und wird sich am Ende ebenso wieder hinausschleichen. Dazwischen hat er zusammen mit Joachim Meyerhoff und Maria Happel einen Sturm entfacht und ihn schließlich wieder beruhigt. Er hat eine Geschichte erzählt von dem Wunsch auf Rache und dem Mut zur Versöhnung. Er hat die Geschichte einer Liebe zwischen seiner Tochter Miranda und dem zunächst verfeindeten Königssohn Ferdinand erzählt, aber auch von der zarten Verbindung zwischen ihm und seinem dienstbaren Geist, dem Luftgeist Ariel.
Barbara Frey gelingt das mit ihren drei Protagonisten, die durch eine neue Kopfbedeckung in immer neue Rollen schlüpfen, mit wunderbarer Leichtigkeit. In dem schwarzen, aufgebrochenen Halbrund, das auf die Bühne gestellt worden ist, huldigt sie der Fantasie. Denn was die drei Schauspieler hier auf der Bühne zelebrieren, ist eine Ode an die Vorstellungskraft. Ohne Requisiten lassen sie das Shakespeare-Stück auf der Bühne Wirklichkeit werden. Ein Heben der Augebraue, ein Senken des Kopfes, ein unterwürfiges Nicken, ein Schnurren, ein Kneifen reicht um die Beziehungen zwischen den Personen zu charakterisieren.
Frey nimmt sich die Freiheit das letzte Drama Shakespeares als Märchen zu inszenieren. Sie macht das mit so viel Humor und Charme, dass man ihr deswegen kaum böse sein kann. Die drei Schauspieler wurden am Schluss von dem Publikum anlässlich des Wiener Gastspiels in Rahmen des Hamburger Theaterfestivals mit trommelndem Applaus und vielen Bravos gefeiert wurde.
Birgit Schmalmack vom 16.10.09

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