Dantons Tod
Dantons Tod
Die Revolution frisst ihre Kinder
Der sinnenfrohe Genießer Danton (Markus John) ist müde geworden. Der Revolutionär Danton ist desillusioniert über das Wesen der Menschen. Er glaubte die Republik gerettet zu haben und muss nun zusehen, wie das Morden und Hungern weiter geht. Seinem einstigen Mitstreiter und heutigen Widersacher Robespierre (Lukas Herrhausen) wird er in seiner zweifelnden Haltung zu gefährlich und soll eliminiert werden. Ohne Verfahren vor dem von Danton neu geschaffenen Parlament wird er verhaftet und zusammen mit seinem Weggefährten Camille (Janning Kahnert) eingesperrt und hingerichtet.
In Danton und Robespierre prallen Gegensätze aufeinander: Hier der lebenslustige, keinem Laster abgeneigte Danton, dort der tugendhafte Robespierre. Hier der langmähnige, direkte Danton, dort der fein gekleidete, zurückhaltende, weichliche Robespierre. Ihre Wortgefechte spiegeln nur einen Teil ihres inneren Zwiespalts wider. Noch härter als sie es ihrem Gegenüber zeigen mögen, zweifeln sie jeweils selbst an ihrem eingeschlagenen Weg.
Dantons und Camilles Frauen sind enge Begleiter ihres Weges. Sie engagieren sich wie Dantons Frau Julie (Ute Hanning) auch im Kampf für die Republik oder betrauern wie Lucile (Julia Nachtmann) Camilles Weg eher aus der Beobachterperspektive. So folgt die eine ihm in den Tod, während die andere die Freundin dabei im Arm hält.
Klar und analytisch stark hat Regisseur Duzan David Parizek dem Text vom Büchner folgend seine Inszenierung angelegt. In dem schlichten Bühnenbild mit den vier aufrecht stehenden Holzquadraten, die eine bis auf schmale Durchgänge geschlossene Wand quer über die Bühne bilden, zeigt sich die trennende Linie zwischen den Menschen, die einmal dasselbe Ziel hatten. Nun trennt sie die Überzeugung. Sie verfrachtet die einen hinter die Kulissen, die sichtbar werden, nachdem die Drehbühne die Rückseite der drei hinteren Wände zum Vorschein gebracht hat. Hier liegen Danton und Camille in ihren Zellen und warten auf ihre Hinrichtung. Und sie zeigt die anderen im Rampenlicht der Öffentlichkeit, wenn sie ihre wohl inszenierten Reden halten. Dass auch Robespierre bald die Zeiten wechseln wird, wird nicht nur Danton klar.
Birgit Schmalmack vom 22.10.09
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