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COMEDY RIOT IN SECOND HAND ENGLISH, Kampnagel

DAM, Krass Festival, Kampnagel

DAM (c) Nayef Hammouri

Humor als Widerstand

Viel zu lachen gibt es zurzeit wahrhaftig nicht, daher sei es umso wichtiger, den Humor als Akt des Widerstands zu begreifen und zu feiern. Das erklärten Intendantin Amelie Deuflhard und Leiter Branko Šimić zur Eröffnung des diesjährigen Krass-Festivals, das sich 2025 um 13.Mal jährt. So stellten er und sein Team dieses Jahr eine geballte Ladung an Comidiennes auf die Bühne. Wenig verwunderlich kamen die meisten von Ihnen direkt aus Berlin, wo diese Art der humorvollen Kommentierung der deutschen Wirklichkeit von Neu-Berliner:innen in der Weltsprache Englisch überall in der Stadt zu erleben ist. Jetzt also kamen auch die noch etwas ungeübten Hamburger Germans in den Genuss dieses zum Teil etwas düsteren Humors in Second Hand English.

Die Moderatorin, Künstlerin und Comedienne Mila Panić führte mit ihren Jokes, die auch das Publikum in der K1 nicht schonte, durch den Abend, an dem sie immer wieder fragen musste: „This was too dark, right?“ Wenn sie etwa einen Opfer-Wettbewerb vorschlug, eine Vergabe eines Oscar für den besten Krieg und einen für die überzeugendsten Opfer. Sie selbst sei ja leider nicht mehr konkurrenzfähig, mit ihrer Herkunft aus Bosnien, aus einem Krieg, der schon dreißig Jahre zurückliege.

Sie hatte sich für den Eröffnungsabend sieben Comidiennes eingeladen. Diversity in den Stilen, dem Humor, den kulturellen Hintergründen und Perspektiven war alleine schon durch ihre unterschiedliche Herkünfte garantiert. Pavlo aus der Ukraine setzte auf Charme. Er machte sich über seinen Akzent lustig, erfand für sich den Begriff des „Flix-Bus-funny“, da er sich von seiner Arbeit nicht einmal ein DB-Ticket leisten könne, und wurde nur ein einziges Mal politisch: Als er ganz ernsthaft weiterhin um die Unterstützung für sein Heimatland warb. Viel spitzer formulierte da Fabian Barahmeh aus Palästina, wenn auch mit völlig ruhiger Stimme. Zum Beispiel wenn er die deutschen Parteien charakterisierte. So sei die CDU gegen Migration, aber würde am Abend für die Migranten beten. So seien die Grünen gegen die Migration, aber eben auf nachhaltige Art und Weise. Sid Singh annoncierte sich selbst als den Bösen unter den Gästen, er sei schließlich Amerikaner. Nach der Pause kamen noch Gäste aus Polen, Bulgarien, dem Iran und Barcelona auf die Bühne.

Parallel zu dem Comedy-Event traten Rapper aus Palästina in der K2 auf. DAM bedeutet auf Arabisch »ewig« und ist der Name einer legendären palästinensischen HipHop Crew mit Homebase in auf der Westbank. Der Sound von DAM ist unverwechselbar; eine einzigartige Verschmelzung von Ost und West, von wütendem arabischen Rap mit nahöstlichen Rhythmen und Klängen und den pulsierenden Beats des urbanen Hip-Hops. 1990 gegründet von Tamer Nafar, Suhell Nafar und Mahmood Jrere erzählt DAM ihre Geschichte als in Israel lebende Palästinenser und verpackt ihre Message in vibrierend hypnotisierende Beats, Rhythmen und Lyrics. DAM begeisterte ihr Publikum mit Dance-Rhythmen zu hämmernden Texten und eingestreuten Anekdoten aus ihrem Leben als Palästinenser:innen.

Birgit Schmalmack vom 29.3.25

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