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Report an 37

Report an 37,8°“
Sorgfältig wäscht die Frau, gebeugt über einen Wassertrog, die Hände, die in ihm schwimmen ab. Ausdauernd säubert sie jeden einzelnen Finger, jeden Nagel, jede Hautfalte. Hygiene bestimmte während des Ausbruches der Krankheit SARS in China den Alltag der Menschen. Auch die Kontaktaufnahme zwischen den Menschen war eingeschränkt. Ein Schutzschild, das den Übersprung der Bakterien verhinderte, war nötig. Hier sind es Spielkarten, die die Menschen auf Abstand halten. Vor dem eigenen Mund werden sie angesogen und an den Mitmenschen weitergepustet. Doch gleichzeitig muss der Berufsalltag weiterlaufen. Auf der hinteren Leinwand sieht man Menschen dicht gedrängt an Haltstellen anstehen und auf ihre Verkehrsverbindung warten. Geduldig harren sie auf ihre Verbindung aus, während die Bahnen oder Busse an ihnen vorbeizischen. Hier in dieser Gesellschaft, in der sehr viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, sind strenge Regeln des Miteinander gefragt. In Krisensituationen wie diesen werden sie noch wichtiger. Während die Menschen die große Gemeinschaft im Blick haben, müssen sie gleichzeitig um ihren eigenen Platz kämpfen. Auf winzigen, schmalen Holzschemeln rücken sie vorsichtig immer weiter, den Konkurrenten im Blick und ihren eigenen Weg.
Das „Living Dance Studio“ findet in ihren Performance „Report an 37,8°“ Bilder, die den Alltag in China auf spannenden Weise illustrieren. Erstaunlich ist, wie leicht verständlich sie auch für Europäer sind. Die Compagnie ist eine professionell und international agierende Künstler-Gruppe, die schon blad ihre neue Arbeit auf Kampnagel vorstellen wird: Eine gemeinsame Choreographie mit der Hamburger Tänzerin Antje Pfundtner.
Birgit Schmalmack vom 11.9.06

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