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La Bohème

La Bohème
Künstlerleben in den wilden 70zigern

Der Schriftsteller Rudolfo (Wilhelm Adam) lebt zusammen mit dem Maler Marcello (Alexander Schattenberg) in einer Künstler-WG. Nie Geld in der Tasche, wenig Brennmaterial im Winter zum Heizen der kalten Bude, aber stets genügend Vorrat an künstlerischen Idealen und meist auch an Rotwein. Eines Tages macht er die Begegnung mit der schönen zarten Mimi (Jennifer Rödel). Rudolfos Glückseligkeit scheint vollkommen. Marcello ist derweil mit der umtriebigen Musetta (Veronika Fried) liiert. Doch das Glück der Vier ist nicht von langer Dauer. Mimi erkrankt an Tuberkulose und Musette ist das ewige Leben von der Hand in den Mund leid. Sie verschwindet mit einer lächerlichen, aber reichen Partie nach New York.
Nun hält sie 30 Jahre danach gemeinsam mit Rudolfo Rückschau. Was bleibt nach so langer Zeit in der Erinnerung haften? Genau dieser Frage widmet sich auch die „Oper breve“, die Regisseurin für das Junge Musiktheater nach Puccinis Originalfassung eingerichtet hat. In einer weißen Wohnung unter einem großformatigen Klecksbild spielen die Rückblenden in die Vergangenheit, die die Kerninhalte der Oper auf knappe neunzig Minuten konzentrieren. Vorkenntnisse sind überflüssig, da gesprochene Passagen sich mit den gesungenen abwechseln und das Geschehen erklären. Eine Opernform, die Einsteigern wie Liebhabern gleichermaßen gefallen kann. Denn an der musikalischen Qualität des Dreierorchesters und der vier jungen Sänger wurde nicht gekürzt. So wird der Genuss der wunderschönen Arien Puccinis nicht durch die übliche Anstrengung beim Bemühen um Verständnis geschmälert, und der Zuschauer kann sich ganz den Gefühlen der berührenden Musik hingeben.
Birgit Schmalmack vom 17.2.08

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