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Josef und Msaria

Josef und Maria
Unsichere Gemeinsamkeiten
An einem Weihnachtsabend zu niemandem eingeladen zu sein, verschärft das Gefühl der Einsamkeit um ein vielfaches. So ergeht es auch der von der Schwiegertochter ausgeladenen Maria Patzak (Angelika Thomas) und dem übrig gebliebenen Alt-Sozialisten Josef Pribill (Hartmut Schories). Beide sind allein an diesem Abend. Aus Mangel an Alternativen haben sie sich für den Dienst am 24.12. in einem Kaufhaus eingetragen. Der eine als Sicherheitsbeauftragter und die andere als Putzfrau. Beide sind sie zeit ihres Lebem auf der Suche, aber nach völlig Unterschiedlichem: Maria nach der Liebe und Josef nach dem Sozialismus. Beide kämpfen dabei auf höchst aussichtslosen Posten.
Maria war früher eine schöne Frau, wie sie immer wieder beteuert. Zum Beweis hat sie Bilder parat, die sie als Varietetänzerin zeigen. Josef sieht sich dagegen als Helden. Auch er hat einen Beweisbrief dabei, der ihn als unerschrockenen Kämpfer für den Sozialismus ausweist. So reden die beiden sozialen Verlierer im Tempel des Kapitalismus stundenlang aneinander vorbei, bis sie endlich zu einem, wenn auch wahrscheinlich nur vorübergehenden gemeinsamen Nenner finden.
Das Stück von Peter Turrini, das 1980 zum ersten Mal aufgeführt wurde, wird in der Inszenierung von Henning Bock zu einem komödiantischen Wohlfühltheater auf der kleinen Foyerbühne des Thalia in der Gaußstraße. Abgründe in den Biographien der beiden Personen bleiben dezent angedeutet. Wenn sie zum Schluss gemeinsam auf die Matratzen hüpfen, darf man sich als Zuschauer für die beiden einfach unbeschwert freuen.
Birgit Schmalmack vom 29.12.08

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