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Hundstage

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Menschenleben gegen Bank
In Zeiten von Immobilienblasen, Börseneinbrüchen und Finanzkrisen werden Bankräuber zu Volkshelden. Dabei ist Sonnys und Sals Vorhaben beileibe nicht von Erfolg gekrönt: Der Tresor war leer, die Banknoten der Tagesgeldkasse nummeriert und der Alarm rief die Polizei auf den Plan. Dennoch schallt Sonny, als er zu Verhandlungen mit dem Kommissar vor die Tür tritt, von der umstehenden neugierigen Menge ein begeistertes „Sonny, Sonny“ entgegen und er wird zum Fernsehstar. Das was gilt ein Menschenleben gegen eine Bank? Einzig und alleine die vierzig Geiseln, die die beiden Möchtegernbankräuber in der Bank gefangen halten, schützen sie zunächst noch vor den Aktionen des Sondereinsatzkommandos.
Bei Gero Vierhoff werden die Zuschauer zu Geiseln von Stephan Möller-Titel (Sonny) und Christopher Weiß (Sal). Sie erleben die Nöte der beiden Klein-Ganoven, die mühsam die beiden Gewehre, mit denen sie ihre Geiseln in Schach halten wollen, waagerecht halten. Immer wieder müssen sie mit ihren Stühlen in der Schalterhalle umziehen, um aus der Schusslinie gebracht zu werden. Da tauchen Angela, die einzige Frau, die Sonny je geliebt hat, Leon, der einzige Mann, den Sonny je geliebt hat, und seine etwas weniger geliebte Mutti aus dem Nebel der Erinnerung auf. Alle verkörpert auf einfühlsame Weise Weiß. Möller-Titel meistert brillant die Herausforderungen beim Spiel mit dem Publikum, das direkt angespielt wird. Das Schrecken wird gekonnt von unfreiwilliger Komik der beiden Einbruchsdelletanten gebrochen. Ein unterhaltsames Theaterschmankerl im Lichthof, das hier nur noch heute und morgen zu sehen ist und danach auf Tournee geht.
Birgit Schmalmack vom 24.9.10

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