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Elektra

Elektra

Teufelskreis der Gewalt

Die beiden Männchen mit dem runden Ballon-Kopf und der piepsigen Stimme, die zum Schluss auf die Bühne wackeln, machen es mit ihrer einfachen Sicht auf die Geschichte deutlich: Wenn der Teufelskreis der Gewalt nicht gestoppt wird, gebiert er neue Gewalt, die zu immer größerem Leid führt.
Doch Elektra will sich dieser Erkenntnis nicht beugen. Die kluge Tochter von Agamemnon hat all ihr Denken und Tun der Rache für ihren ermordeten Vater gewidmet. Sie will, dass ihre Mutter, die im Verbund mit ihrem neuen Mann den Vater mit dem Beil erschlagen hat, für die Tat büßt. Dafür hofft sie auf die Rückkehr ihres Bruders Orest. Er soll ihr und dem Blute ihres Vaters Genugtuung verschaffen. Die zweite Schwester dagegen will möglichst schnell vergessen. Sie will sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen, sondern möchte rasch eine bessere Zukunft die früheren Erlebnisse verdrängen lassen. Für Elektra eine Vorstellung, die eines Tieres aber nicht eines Menschen würdig wäre.
Regisseurin Nina Mattenklotz widmet sich in ihrer Inszenierung des Textes von Hugo von Hofmannsthal ganz den Gefühlen, Stimmungen und Gedanken von Elektra. In Zoe Hutmacher hat sie eine virtuose Darstellerin ihres komplexen Charakters gefunden. Im Bühnenbild von Silke Rudolph, das ein von dicken schwarzen Planenwänden umgebenes Dreieck als Gefängnis ihrer Rachegedanken zeichnet, hadert und zürnt sie gegen ihre Mutter, gibt sie sich ganz ihrer Wut und Wunsch nach Vergeltung hin und verzichtet doch auf eine selbst bestimmte Gestaltung ihres eigenen Lebens. Erst ihr Bruder soll alles richten. Erst als er kommt und die Tat vollbringt, kann sie erahnen, dass sie jetzt keineswegs „tanzen“ wird, wie sie sich es erträumt hat. Sie erstarrt und fällt zu Boden.
Birgit Schmalmack vom 10.7.07

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