Traumfinale
Traumfinale
Noch ist nicht entschieden, welche Finalkombination diese Fußballweltmeisterschaft für die Zuschauer bereit halten wird. Doch im Hamburger Sprechwerk hat das Teatroimmediato das „Traumfinale“ Deutschland- Brasilien schon einmal vorweggenommen.
Die Brasilianerin Cecilia Amado und die Deutsche Silke Mühlenstedt treffen sich vor dem Absperrzaun außerhalb des Stadions, in dem das Abschlussspiel zwischen ihren Nationen stattfindet. Sie haben keine Tickets und bleiben somit draußen vor. So verfolgen sie die dramatischen Ereignisse, denen sie nur aus der Ferne lauschen dürfen, mit wachsender Verzweiflung. Sie haben viel Zeit, sich Gedanken über den Fußball zu machen: Zeit für Fußballgedichte, ein Fußballballett und dem Lauschen eines Interviews eines brasilianischen Spielers. Trotz der Gegnerschaft auf dem Feld wird in dieser Zeit eine Schicksalsgemeinschaft geschmiedet. Eine völkerverbindende Übereinstimmung erkennen sie in ihrer gemeinsamen Begeisterung für den Fußball. In der abschließenden Diashow wird verraten, wie es weitergeht mit den Beiden: Sie werden ein Paar, das mit einer Dauerkarte immer wieder den Ort ihres Kennenlernens aufsucht.
Die beiden Darstellerinnen wechseln die Rollen und Geschlechter ganz nach Bedarf. Die zahlreichen brasilianischen Zuschauer im Sprechwerk bestätigten die Forschungsergebnisse, die während des Stückes bekannt gegeben werden: In Sachen Jubeln haben die Brasilianer klar die Nase vor: Sie amüsierten sich prächtig und zeigten ihre Begeisterung mit übersprudelnder Begeisterung. Das mag auch daran gelegen haben, dass sie sowohl den Temperamentsausbrüchen von Lucia (Amado) auf portugiesisch als auch dem trögen Hamburger Slang von Udo (Mühlendstedt) folgen konnten.
Birgit Schmalmack vom 14.6.06
hamburgtheater - Kritiken für Hamburg seit 2000