Dancekiosk
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Die Kandidaten
Jeder der die Bühne betritt, ist potentieller Star. Insofern liegt es nahe, sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Theorien zu der Entstehung von Stars zu Rate gezogen werden können. Gut wenn man wie Antje Pfundtner in ihrer Tanztruppe eine studierte Physikerin zur Verfügung hat. So entwickelte Lydia mal eben am Clipchart eine kleine Vortragsreihe zum Thema „Bewegungsgleichung“. Ihre vier Mittänzer stehen zur gerne zur Seite, wenn es gilt, die Erläuterungen zu bebildern. Schließlich sind sie alle Stars unter den Tänzern und können mit Leichtigkeit den Beweis erbringen, dass sie zur so genannten „Hauptreihe“ der Stars und Sternchen gehören.
Für den belgischen Choreographen Filip van Huffel bilden die TV-Gameshows den Ausgangspunkt seiner tänzerischen Betrachtungen. Seine Kandidaten kämpfen nicht um den Starruhm sondern um Geld. Dazu treten sie in wechselnden Formationen an. Sie haben ihr Solo, können in Teams zusammenspielen, aber sich auch gegenseitig wie Tiere anfallen. Wie Spielsteine werden sie auf dem Bühnenkasten – im Äquivalent zur Black Box des Fernsehkastens - hin- und her geschoben. Die Streetband unter der Leitung von Sven Kacirek liefert dazu die perfekt abgestimmte, live gespielte Musik. Ihr elektronisch treibender Flow ist genau der richtige Antrieb für die schöne, fließende Bewegungssprache von Filip van Huffel.
Ein kontrastreicher Abend, der das Thema „Kandidaten“, das den beiden Choreographen von der Initiatorin des Dancekiosks Angela Guerreiro gestellt wurde, von zwei unterschiedlichen Seiten beleuchtete: einmal auf tänzerisch ausgefeilte und einmal auf ironisch witzige Art und Weise. Ein sehr abwechselungsreicher Abend auf hohem, künstlerischem Niveau.
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