Dancekiosk 2009
Dancekiosk
Das Festival im Festival
Eine Plattform für die freie Tanzszene stellt das Festival „Dancekiosk“ alljährlich in Hamburg zur Verfügung. Zwischen dm hochkarätigen Programm, das Angela Guerrerio dieses Jahr für Hamburg im Sprechwerk arrangieren konnte, dürfen in Werkstattinszenierungen gezeigt werden, was in Hamburg sich in der jungen Performance- und Tanzszene tut. Höchst unterschiedliche Körpersprache und Inszenierungskonzepte wurden in dem bunten Mix des Abends „Tanz in Hamburg“ gezeigt.
Jula Lüthje erzählt in „Fräulein Julie“ eine Geschichte: Eine alte Frau schaut zurück auf ihr Leben und erinnert sich an ihre verflossene Liebe. Würdevoll kämpft sie auf ihr Anrecht auf ihren Anteil am Leben. Schließlich: „Auch ich war mal jung!“
Auch im nächsten Stück ist der tänzerische Anteil an der Performance eher gering. Antje Prust und Natascha Moschini untersuchen die Möglichkeiten des Menschen sich umzustülpen und damit an sein Innerstes zu kommen. Ihr suchendes Körperexperiment blieb dabei sehr auf sich bezogen.
„Balance“ von Elizabeth de Guevara erfreute das Publikum mit schönen Tanzszenen, die das Gleichgewicht und Ungleichgewicht in der eigenen Persönlichkeit, in Beziehungen und in Gruppen sensibel auslotete und in markanten Tanzbildern auf die Bühne brachte.
Ursina Tosssis Arbeit „Zone“ verfolgte demgegenüber einen forschenderen Ansatz. Selbst- und Fremdbestimmung war ihr Thema. Sieben zu den ersten Proben geladene Gäste und ihre Regie-Anweisungen lieferten den Ausgangspunkt für Tosssis Bewegungsmaterial, das sie mit höchster Körperspannung auf der Bühne präsentierte.
„My Dance room“ von Yolanda Gutierrez war der Schluss- und Höhepunkt des kleinen Hamburgfestivals im Festival. Die Choreographin hatte für ihre ebenfalls zu sehende Videoproduktion Menschen in ihren eigenen vier Wänden beim Tanzen gefilmt. Für die Bühne suchte sie sechs aus und ließ sich von ihrem Können zu ihrer Inszenierung anregen. So kamen Musiker, Schauspieler, Tänzer und Künstler zusammen, die ihre Talente zu einem Bühnenerlebnis werden ließen. Zwischen Wohnzimmerlampen zeigen sie ihre persönliche Art sich auf der Bühne zu präsentieren. Gutierrez verstand es wunderbar ihre jeweils ganz eigene Professionalität zu einem runden Tanzstück auf der Bühne zu verflechten.
Birgit Schmalmack vom 28.7.09
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