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Biene Maja oder die Folgen des Faschismus

Biene Maja oder die Folgen des Faschismus

Die drei jungen Frauen wollen sich als Biene Maja verkleiden: Jede hat dabei ihre eigene Vorstellung. Die eine sieht sie spontan auf Plateausohlen im Minirock vor sich (schließlich ist eine Biene doch weiblich!), die nächste greift lieber zum gestreiften, gut gepolsterten Jacke und Lederhose (Sie soll doch nicht zu tussig aussehen!) und die letzte gibt sich mit Hot Pants und Herzchen-T-Shirt ein goldiges Girlie-Outfit.
So ausstaffiert widmen sich die drei Nachkriegsgeborenen den Eckpunkten ihrer elterlichen Erziehungsbemühungen, die durch die beiden Bücher „Biene Maja“ und „Die Folgen des Faschismus“ abgesteckt wurden. In lockerer Szenenfolge klopfen sie als Rotkäppchen, Goldröckchen und Schwarzpfötchen all die Ideale ab, an die sie sich kurzzeitig überreden konnten zu glauben. Jedenfalls solange bis sie die nächste noch einleuchtendere Strömung (oder ihre Gegenströmung) entdeckten. Die Unsicherheit, ob sie momentan für die richtige Sache streiten, war ihr ständiger Begleiter. Vielleicht war es doch viel wichtiger, die besten und größten Titten der Welt zu haben und die neueste Frisurkreation zu tragen? Die drei Bienen scheinen jedenfalls vom Kurs abgekommen, wenn sie um ihrer Figur den letzten Schliff zu geben, einen Weiterbildungskurs mit dem Titel „Wie schlage ich einen Juden“ besuchen.
Der Text Autorin Anja Behrens lässt Einflüsse von Gesine Dankwart, Roland Schimmelpfennig und Rene Pollesch erkennen. Mit dem freien Berliner Ensemble „Theater der Zerbrochenen Fenster“ hat sie ihr Stück selbst inszeniert. Drei Sitzwaben und drei Wabenschiebewände sind die ganze Ausstattung, die sie dafür benötigen. Die drei Schauspielerinnen schlüpfen mit Sinn für Humor und Selbstironie in ihre Rollen, die das absurde Zeitgeist-Chaos der politisch korrekten und unkorrekten Lebenshaltungen schlaglichtartig beleuchten. Spannendes Theater aus der Hauptstadt zu Gast in Hamburg!
Noch zu sehen am Donnerstag, den 28.6. und am Freitag, den 29.6. im Sprachwerk um 20 Uhr.
Birgit Schmalmack vom

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