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Fräulein Julie

Fräulein Julie
Spiel mit dem Leben

„Alles ist ganz sonderbar“, findet Fräulein Julie (Susanne Wiencierz). Ihre Träume passen nicht zur Wirklichkeit, in der sie lebt. Sie würde sich so gerne fallen lassen und fürchtet sich doch vor den Konsequenzen. So spielt sie lieber, am liebsten mit den Männern, die sie eigentlich verachtet. Ist sie doch von ihren adligen Eltern zu einer Frau erzogen worden, die sich nie zum Sklaven eines Mannes machen soll. So lässt sie die Männer nach ihrer Pfeife bzw. Reitgerte tanzen. Ihr Diener Jean (Goertz-Phillip Körner) soll einer von ihnen werden. Doch beim ihm gerät sie an den verkehrten. Ihr Spiel wird bitterer Ernst. Denn Jean verehrt schon seit langem in die unerreichbare schöne Grafentochter und wittert zudem die Möglichkeit zum Ausbruch aus seinen beengten Verhältnissen.
Regisseur und Absolvent der Theaterakademie Ralf Eger verlegt die Handlung zwischen Julie, Jean und seiner Verlobten und Köchin des Hauses Kristin (Nicole Hoff) in einen Metallkäfig. Mitten zwischen den zwei ansteigenden Zuschauertribünen in der Opera Stabile ist das Viereck mit den umgebenden Gitterstäben platziert. Hier spielen Julie und Jean Katz und Maus. Zuerst sind die Rollen klar verteilt: Sie ist die Herrin und er der Befehlsempfänger. Doch schon bald werden auch Julies wunde Stellen bloßgelegt und Jean bekommt Oberwasser. Solange bis Julie sich an ihre Prinzipien erinnert und wieder das Zepter in die Hand nimmt. Doch zum Schluss hat Jean trotz seiner niederen Herkunft die besseren Karten: Er ist ein Mann. Julie ist dagegen eine entehrte Frau, der eigentlich nur noch der Ausweg in den Selbstmord bleibt.
In der Kammeroper von Antonio Bibalo wird dem Strindberg- Stoff in der Zwölftonkomposition auf einfühlsame, ausdruckstarke Art Gefühl verliehen. In seiner Umsetzung findet Eger viele stimmige Bilder. Zu einem Instrumentalpart stimmen sich die Beiden zunächst mit Tanzschritten auf Abstand ein, um später in einen erotischen Tango einander zu verfallen. Vier Holzkisten verstauen die notwendigen wenigen Requisiten, dienen aber auch zu zusätzlichen Knalleffekten, wenn der Deckel zufällt. Stimmungsvolle Lichtregie schafft die richtige Atmosphäre zu jeweiligen Szene. Wie ein geschlagenes Tier liegt Julie am Schluss in der Ecke. Sie findet keinen Ausweg mehr aus ihrem Käfig. Dass Egers Konzept aufgeht, liegt nicht zuletzt an den drei Sängern, die sowohl stimmlich als auch darstellerisch beeindrucken können.
Birgit Schmalmack vom 23.10.07

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