Gebrüllt vor Lachen, Theater Das Zimmer
Gebrüllt vor Lachen
Theater Das Zimmer
Zwei Großstadtneurotiker
Zwei Großstadtneurotiker treffen aufeinander. Ausgerechnet an einem Thunfischregal. Der Eine versperrt der Anderen den Weg und schon eskaliert die Situation. Denn beide stecken voller Ängste, Minderwertigkeitskomplexe und neurotischer Egoismen. Auch wenn sie beide sehr therapieerfahren sind, finden sie keinen Weg aus ihren nur um sich selbst kreisenden Zwangsvorstellungen. Dann brüllen sie vor Lachen. Der Titel bezieht sich auf ein Zitat von Beckett („Gebrüllt inmitten allerheftigsten Leids“). Das Stück von Christopher Durang, das er in den Achtzigern schrieb, scheint perfekt auf die heutige Zeit zu passen. Diese beiden Menschen versuchen sich ihren einsamen Weg durch einen anonymen Großstadtdschungel zu bahnen und müssen doch permanent scheitern. Zu stark drücken nicht nur ihre ganz persönlichen Probleme auf ihre Schultern, sondern auch die ganz großen gesellschaftlichen. Regisseur Lars Ceglecki hat am Horner Theater Das Zimmer die Problemlagen geschickt auf heutige Verhältnisse aktualisiert. So verdüstern die Klimakatastrophe und die Kriegsangst das Leben noch weiter.
Auch wenn die Frau eigentlich weiß, dass Atmen hilft und der Mann fest an das positive Denken glauben will, scheitern die Beiden im täglichen Leben ständig darin, ihre guten Vorsätze umzusetzen. Sein Ohm auf den Lippen und ihre Atemübungen bewahren sie nicht vor dem Moment, in dem sie austicken, weil ihre Selbstkontrolle nicht mehr funktioniert. Vor der Pause ist das eine kluge Analyse der gesellschaftlichen Entwicklungen, die in diesen beiden personifiziert wird. Nach der Pause driften die Beiden in ihre Alpträume ab. Die Szene am Thunfischregal wird nun in verschiedenen Szenarien durchgespielt, alle mit einem gewalttätigen Ende. Danach träumt sich die Frau in eine Show in der Haifischbar bei Ina Müller, die sie endlich einmal in den Mittelpunkt stellt. Das Prager Kindl hat hier als Talkgast seinen Auftritt. Das muss schiefgehen. Nur die Frau lacht über ihre eigenen Witze.
Dieser Abend zeigt die Abgründe heutiger einsamer Großstadtmenschen, die so gerne Aufmerksamkeit bekommen und zu einer Gemeinschaft dazugehören würden, aber stets die verkehrten Mittel dazu wählen, dies zu erreichen. Die zugespitzte Komik des Abends balanciert direkt am Abgrund. Dank der beiden perfekt aufeinander abgestimmten Darstellenden (Anke Bautzmann und Colin Hausberg) gelingt das sehr gut. Wenn die Beiden dabei auf der kleinen Podestbühne eher im Imaginären bleiben noch besser, als wenn sie ihre Ängste direkt ausagieren. So ist es eine Arbeit geworden, die zugleich unterhält, geschickt problematische Entwicklungen aufspießt und nachdenklich macht.
Birgit Schmalmack vom 19.10.26
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