Globe Berlin
Schuld und Sühne, Globe
So haben Daugardt und Neumann einen eigenwilligen Zugang zu der Romanvorlage gefunden, der ihn in unsere Zeit transferiert und dennoch die moralische Beurteilung fast noch schwerer macht. Die Inszenierung konzentriert sich ganz auf das gesprochene Wort. Sie kommt ganz ohne Requisiten auf der Bühne aus, wenn man von zwei Stühlen und einer Flasche Rotwein absieht. Sie bewegt sich geschickt an der Grenze zwischen intellektueller Auseinandersetzung und Spannung, zwischen Monolog und Dialog, dem eigenen konstruktiven Narrativ mit entsprechender Rechtfertigungsstrategien und der Gegenüberstellung zu den vermeintlichen allgemeingültigen Regeln der Justiz.

Urfaust, Globe
Die Inszenierung des Globe unter der Regie von Anselm Lipgens versucht den Spagat zwischen Unterhaltung und Ernst. Besonders am Schluss ist der Kontrast hart. Gerade hat der total verzweifelte Faust das dem Wahnsinn verfallene Gretchen in ihrer Gefängniszelle zurücklassen müssen, weil sie sich vor ihm graut, da fallen schon die Gaukler wieder ein und stimmen ihre letzte Moritat an. Aber so erreicht dieser Theaterabend, dass man trotz des tragischen Verlaufs der Geschichte das Openair-Theater in Charlottenburg beschwingt verlassen kann. Ob es diese krassen Brüche gebraucht hätte, ist Geschmackssache. Doch auch diejenigen, denen dieser Klamauk zu groß war, können sich von der ernsthaften Verzweiflung von Faust (Adrian Stowasser) und Gretchen (Lotte Gosch) berühren lassen. Stowasser spielt sehr glaubwürdig seine tiefen Gefühle für Gretchen und die Schuldgefühle, die ihn angesichts der fatalen Entwicklung seiner Eroberung bis ins Innerste plagen. Auch Gosch zeigt Gretchens Entwicklung vom naiven Mädchen zur gereiften Frau sehr überzeugend. Diese Arbeit nimmt eben die Unterhaltung genauso ernst wie den psychologischen Tiefgang von Fausts Erkenntnissuche.
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