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Vor uns die Sintflut

Vor uns die Sintflut
Im Unterbauch der Galeere
Der Ex-Punk der Goldenen Zitronen und Theaterregisseur Schorsch Kamerun hat eine Botschaft. Er will aufrütteln.
„Die Flüchtlinge sind gerne im Maschinenraum, die merken gar nicht mehr, dass die Bedingungen hier menschenunwürdig sind.“ So denken sich das die Reichen des Kreuzfahrtschiffes, als sie plötzlich bemerken, dass sie eine Fracht an Bord ihres Luxusdampfers haben, die nicht vorgesehen war. Die Probleme der beiden Welten könnten nicht unterschiedlicher sein. Unten geht es um die Existenz, oben um die Dekadenz. Unten Menschen ohne Papiere, ohne Daseinsberechtigung, ohne Lebensbescheinigung, ohne Existenzpass. Oben die Wahl des Weines, der nächste Karriereschritt, das nächste Engagement, der Verlust der Stimme, die Konkurrenz. Unten das nackte Überleben, oben um den größtmöglichen Lustgewinn im Leben. Doch dann kommen die Flüchtlinge nach oben. Genau zum dramaturgisch perfekten Zeitpunkt kommt Nadja Tiller als wieder von den Toten auferstandene Meistersängerin als Dea ex Machina und singt den Anwesenden mit dem alten „Zitronen“-Song „Monster“ ins Gewissen. Danach tanzen alle zusammen einen afrikanischen Fruchtbarkeitstanz. Die Welten versöhnen sich und die Menschen bessern sich. Die Reichen geben ihre bisherigen Ziele auf und definieren neue: Sie arbeiten ab jetzt für die Verbesserung der Welt.
Schorsch Kamerun glaubt an das Gute im Menschen. So wird der Ex-Punk im Thalia-Zelt zum Märchenonkel. Gerne möchte man ihm glauben schenken an diesem schönen Ort, an der Spitze der Hafencity vor glitzernder Hafenkulisse, wenn er von der Läuterung der Menschen erzählt. Doch es fällt schwer, zu bruchstückhaft und wenig überzeugend ist die Botschaft, die er hier zu bieten hat.

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