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Träumer

Träumer

Quartier des enfants
Draußen fliegen die Steine. Drinnen hocken drei Menschen und beschäftigen sich lieber damit sich ihre eigene Welt erschaffen, anstatt mit den Anderen für eine vermeintliche bessere zu kämpfen. Das Geschwisterpaar Isabelle (Laura de Wieck) und Théo (Renato Schuch) ziehen es als erklärte Cineasten vor, ihre eigene Wirklichkeit auf ihre ganz spezielle Art in Szene zu setzen.
Einen Zuschauer haben sie in den Unruhen aufgegabelt: den amerikanischen Studenten Matthew (Konradin Kunze). Überrascht und gutmütig geht er zunächst auf ihr großzügiges Angebot ein, bei ihnen zu übernachten. Doch am Morgen will er die Flucht ergreifen. Die geschwisterliche Nähe und Vertrautheit, die Freizügigkeit und Zudringlichkeit der Geschwister lässt ihm einen Rückzug ratsam erscheinen. Doch liebevoll umgarnt von den Zwei lässt er sich zum Bleiben umstimmen.
So lernt er ihre bevorzugten Zeitvertreib kennen: Entweder errät man die Szene aus einem Film, die sie sich gegenseitig vorspielen, oder man muss bezahlen. Am liebsten in Naturalien, das heißt mit seinem Körper. Mal muss einer vor den anderen onanieren, mal soll Isa mit Matthew vor dem Bruder Sex haben. Matthew ist entsetzt und fasziniert. Immer weiter verstricken sich die Drei in ihre Film- und Sexspiele. Als Matthew die Spielregeln neu definieren will, gerät das Arrangement aus den Fugen: Matthew hat sich in Isa verliebt und der menage a trois droht zu zerbrechen. Er konfrontiert die Beiden mit seiner knallharten Analyse: Sie seien selbstverliebte Langzeitpubertierende, die aus Mangel an Verantwortung und Übermaß an Egoismus unfähig wären je erwachsen zu werden. Die Bühne des Malersaals bietet ideale Voraussetzungen für das Bühnenbild: Die kahlen Betonwände begrenzen den Horizont der drei Filmenthusiasten in ihrem spärlich eingerichteten Apartment mit projizierten Filmklassikern.
Daniel Wahl ist eine vorzügliche Umsetzung des Roman von Gilbert Adair gelungen. Sie zieht bis zum tragischen Ende immer stärker in ihren Bann. Zuerst tanzen die drei noch vergnügt und leichtfüßig zu dem Film. Doch zum Schluss wird das Lied vom Tod gespielt.
Birgit Schmalmack vom 25.6.08

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