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The importance of being earnest

The importance of being earnest

Die Eingangsszene machte es deutlich: Der Butler zelebriert auf dem Sofa überdeutlich seine Langeweile. Gleich darauf stolziert sein Arbeitgeber mit affektiertem Hüftschwung und gezierten Handabspreizungen seinen Untergebenen ermahnend herein. Die englische Gesellschaft um die Jahrhundertwende soll in der Inszenierung der University Players unter der Regie von Coral McNamara durch die Erheiterung des Publikums vorgeführt werden. Die tatsächlichen Probleme von Jack und Algeron um Ehre, Ansehen und Gesellschaftskonventionen scheinen der heutigen Zuhörerschaft so fremd, dass ihnen der humorvolle Umgang mit dem Stoff entgegen kommt.
Herausgekommen ist ein Stück gehobenes Boulevardtheater. Das ist einerseits der geschliffenen Sprache Oskar Wildes zu verdanken, der mit Wortwitz gespickte, rasant gedrechselte Dialoge den exzellent gezeichneten Figuren auf den Leib schreibt. Und andererseits den gut besetzten Charakteren, deren Darsteller diese Eigenarten bestens zu interpretieren verstehen.
So kam die klassische Verwechselungskomödie schnell in Fahrt und sorgte bis zum dreifachen Happy-End für viel Amüsement im Publikum. Scheu vor Überzeichnungen war dieser Inszenierung fremd. Sie fand ihre Position im Heute dem angejahrten Werk gegenüber durch den Blick des amüsierten, distanzierten Betrachters. Die Doppelbödigkeit, die Wilde mit seinem Stück bloßstellen wollte, trat dabei so offensichtlich zu Tage, dass von unterschwelliger Kritik wie zu seinen Lebzeiten keine Rede mehr sein konnte.
Birgit Schmalmack vom 26.6.07

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