Im Auge des Betrachters
Im Auge des Betrachters - Impromptu
Zur Erinnerung hinterließ sie dem Jungen eine Aufnahme ihres Violinkonzerts. "Impromptu" stand auf der Hülle. Er hörte diese Musik und ich höre sie mit ihm. Es ist mir völlig klar, dass diese Musik noch nicht geschrieben ist, aber ich höre sie heute mit Hilfe meines Computerprogramms…
Um Kommunikation, Wahrnehmung, Interpretation, Wahrheit und Täuschung, um Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft geht es in der spannenden Science-Fiction-Story „Impromptu“. Der Wissenschaftler und Arzt, der zum Thema pränatale Prävention forscht, lernt die werdende Mutter Anna kennen und rät ihr zur Abtreibung, weil er in seiner Computersimulation erkennt, dass ihr Kind zu einem Serienmörder werden wird. Wie er selbst ein Teil der Geschichte wird und erkennen muss, dass einfache Antworten der Wissenschaft in der praktischen Umsetzung durch Emotionen behindert werden, ist ein bewegender Prozess. Er wird von Harald Burmeister und Marla Weedemann behutsam und sachlich erzählend vor der großen Projektionsleinwand im Vortragssaal des Museums für Kommunikation begleitet. Auf der Saalrückwand agieren die beiden ebenfalls als Protagonisten des Spiels der Verwirrung - neben vielen weiteren Schauspielern der Einfachen Bühne. In einer aufwendig gestalteten Bildershow sind sie mit ausdrucksstarken Minen in überblendeten Schnappschüssen zu sehen.
Regisseur Evgeni Mestetschkin ging mit seiner Einfachen Bühne neue Wege. Er hat nach einer Drehbuchidee von von Alla Surina „Im Auge des Betrachters – Impromptu“ mit einem ungewohnt hohen Einsatz von Medien umgesetzt. Es wurde ein interessanter Abend, der gewohnte Denkmuster geschickt hinterfragte.
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