Richard III
Richard III.
Machiavelli der Börsennotierung
Als Manager im feinen Zwirn tritt Richard auf. Mit maliziösem Grinsen um die Mundwinkel umgarnt er seine Gegner, führt sie aufs Glatteis und serviert sie nach geleisteten Steigbügelhalterdiensten mit tödlichem Ausgang ab. Stets seinen eigenen Vorteil sicher im Blick ist er die Verkörperung eines lupenreinen Egoisten. Im Dienste seines Landes zu stehen und dafür frei nach Machiavelli seine Befugnisse zu missbrauchen, ist für ihn nicht ausreichend. Einzig für die einzige Liebesbeziehung seines Lebens – die Liebe zu sich selbst – lohnt die Anstrengung. Doch nach der Pause zeigt seine Börsenkurve nicht mehr steil nach oben, die Verhältnisse haben sich umgekehrt; seine Notierung steht kurz vor dem Crash. Nun muss er erkennen, dass selbst seine Eigenliebe an den Erfolg geknüpft war. Einen erfolglosen Richard kann selbst er nicht leiden. Er ist zum Abschuss freigegeben, was sein Gegener und Nachfolger auf dem Posten des Königs, Richmond, mit siegesgewissem Stoß erledigt.
Stefan Grund, der für die Universal Players die Seiten vom Theaterkritiker zum Regisseur gewechselt hat, inszenierte eine solide, unterhaltsame Umsetzung des Shakespeare-Klassikers. Blut spritzende Action, schnelle Schnitte, flotte Musik und klar gezeichnete Charaktere stellen alle zufrieden: das vorwiegend junge Publikum wie ihre Englischlehrer, die sie ins Audimax geführt hatten. Die schauspielerische Leistung der Laiendarsteller ist beeindruckend. Besonders Florian Miro als Richard ist ein Glückgriff. Er schafft es hinter dem blut- und machtgierigen Monster einen liebebedürftigen Menschen zu zeigen. Man versteht: Arm an äußerlichen Vorzügen, mit lahmen Arm und hinkendem Bein, versucht er nur er seine übrigen Talente zu nutzen, um dennoch in der Gesellschaft des äußeren Scheins seinen Platz zu erobern.
Birgit Schmalmack vom 31.1.08
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