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Parsival

Parzival
Naiver Held
Wie ein großes Kind stolpert Parzival in die Welt, vor der ihn seine Mutter immer gewarnt hatte. Doch es sind keine Engel, wie er zunächst irrtümlich glaubt, die ihm begegnen, sondern Ritter. Er landet in der berüchtigten Artus-Runde, die schon einmal bessere Tage gesehen hat. Obwohl (oder gerade weil) diese Gesellschaft nur Hohn und Spott für ihn übrig hat, bleibt er bei seinem Entschluss Ritter zu werden. In seiner naiven Neugier und Abenteuerlust kennt er keine Angst und Skrupel. Hindernisse werden ohne Bedenken aus dem Weg geräumt – und seien es auch Menschen, die dafür beseitigt werden müssen. Eine Moral scheint ihn auf seinem Weg nicht zu behindern. „Wenn Gott in allem ist, dann muss ich alles zerschlagen, bis er übrig bleibt,“ ist sein Motto.
Plötzlich wird aus der Verachtung der Gesellschaft Bewunderung. Parzivals Mut, der von den Deformationen der Gesellschaft verschont geblieben ist, macht ihn zu einem Helden, der ohne Rücksichten seinen Weg fortsetzt.
Julia Hölscher spielt ihre Diplominszenierung des Stoffes von Tankred Dorst auf der schwarzen, fast leeren Foyerbühne des Thalia in der Gaußstraße. Nur ein Kettenvorhang markiert ein Viereck in der Mitte, das Vorhang, Regen oder Gemach sein kann. Musik und Bewegung sind für sie wichtige Stimmungselemente.
Die feine, aber verkommene Gesellschaft der Ex-Artus-Runde ist ein auf Äußerlichkeiten bedachter Szene-Haufen, die auf dem Weg zur nächsten Party sein könnte. Damit trifft Hölscher die Aktualität des Stückes. Die Schauspieler sind allesamt sehr stark, besonders der Hauptdarsteller ist herausragend. Moritz Grove setzt die Naivität und Kindlichkeit so gekonnt umsetzt, dass man ihm seine blutrünstigen Taten fast nicht übel nehmen mag. Ohne Wissen ist keine Verantwortung zu übernehmen. Ein Bild der Verwüstung bietet Hölscher am Schluss ihrer konzentrierten einstündigen Inszenierung.
Birgit Schmalmack vom 15.1.08

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