Lost violet
Lost violet
Violet mit ihren leuchtend roten Haaren ist umgeben von Verehrern. Die aufgestylte Girlie-Gruppe der Pussys Deluxe umschwirrt die schlanke Schöne ebenso wie Danny, der Macho im dunklen Anzug und der smarte Alfred aus den besseren Kreisen. Violet ist die perfekte Verkörperung einer Vertreterin der Spaßgesellschaft. Ihr steht der Sinn nur nach kurzfristigen Spaß, am besten beim exzessiven Partymachen. Die Liebe, die Alfred mit Ausrufungszeichen auf dem einem Bildschirm im Bühnenhintergrund aufscheinen lässt, ist für Violet ein leerer Begriff, dem sie Rausch, Alkohol und Drogen gegenüber stellt. Doch so schnell lässt sich Alfred nicht entmutigen. Mutig stürzt er sich in die Peinlichkeiten einer zum Scheitern verurteilten Liebeserklärung. Obwohl Violet es nicht zugeben mag, ist sie beeindruckt und wagt es sich auf Alfreds Liebe einzulassen.
Dass die Neunfassung von „La Traviata“ auch im Opernloft kein Happy-End findet, liegt an Alfreds intriganter Mutter. Um ihren Sohn vor der unangemessenen Partie zu bewahren, treibt sie einen Keil zwischen die Beiden. Anders als im Original stirbt Violet nicht an der Schwindsucht sondern am übermäßigen Drogenkonsum.
Die Botschaft der 24-jährigen Regisseurin Alexandra Will und ihrem jungen Ensemble aus vier Profis und elf Jugendlichen ist deutlich: Drogen gaukeln die Freiheit nur vor. Im Gegenteil treiben sie in die Fänge des „Doktors Abhängigkeit“, der in seinem weißen Anzug auf Menschenfang geht. Er knüpft sein Netz der Abhängigkeiten genauso wie der Dealer. Will verdeutlicht dies mit Bändern, die der Doktor anlegt und bei Bedarf zu größeren Netzen zusammen klicken kann.
Der Sänger des Alfred, Frank Valet hat eine neue Musikrichtung für diese jugendkompatible Opern-Inszenierung erfunden: die „Electr’Opera“. Er mischt geschickt elektronische Beats mit der Opernmusik Verdis. Ein Opernabend ganz nach dem Geschmack des vorwiegend jungen Publikums, das sich wahlweise auf den großen Kissen lümmeln oder auf den Klappstühlen Platz nehmen konnte. Das Bühnengeschehen spielte sich in der Fabriketage mitten zwischen den Zuschauern ab. Die Bühne verlief von der leicht erhöhten Clubetage am hinteren Ende über einen Laufsteg bis zur Bar auf der anderen Seite. Eine lässige Art junge Zuhörer- und Zuschauer an das als spröde und verstaubt geltende Metier der Oper heranzuführen.
Birgit Schmalmack vom 16.2.08
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