Lady Lady
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Wurzeln erkunden
Acht Junge Frauen aus acht verschiedenen Ländern spüren ihrer Familiengeschichte nach. Wo komme ich her? Wohin werde ich gehen? Was wie ein Traum beginnt, führt in die jetzige, eigene Realität. Zu Beginn noch im Schlafanzug, dann in der Rollenfindung aus dem Fundus eines Kleiderhaufens, gehen sie am Schluss in Leggings und kurzem Kleid in ihr heutiges Leben. Regisseur Evgeni schafft es mit den Laiendarstellerinnen eine schwebende Atmosphäre zwischen Lebensleichtigkeit und Erdenschwere, zwischen märchenhafter Fantasie und harten Fakten zu erschaffen, die gefangen nimmt. Seine sehr unterschiedlichen Mitwirkenden erzählen von dem Leben ihrer Großeltern und Eltern. Dazu bedienen sie sich ebenso einfacher wie wirkungsvoller Mittel. Die eine stellt ihre Familiensituationen aus Kissen und Decken nach. Die andere lässt ihre Kleinfamilie als beleuchtete Kleidungsstücke durch die Lüfte schweben. Die nächste streift während ihrer Erzählung immer wieder ein anderes Kleidungsstück über, bis sie zum Schluss alle übereinander trägt, so wie sie alle Erinnerungen zu ihren eigenen gemacht hat. Besonders zauberhaft ist der Auftritt einer Russin: Sie lässt ihre Familienmitglieder und -behausungen aus aufblasbaren Plastiktüten entstehen. Zum Schluss schwebt eine riesige durchsichtige Plastikkuh über die Zuschauerreihen nach oben. Die wunderbare Stimmung wird nicht zu letzt durch die innovativ und intuitiv arbeitende Musikerin an ihrem Samplerpult und ihren Blasinstrumenten erzeugt. Ein wunderbarer Abend, der zeigte, das Theater mit Laiendarstellern keinerlei Abstriche am künstlerischen Anspruch nach sich ziehen muss.
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