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...............Kritiken für Hamburg seit 2000

Kontraste

Kontraste
Beeindruckende Momente Antigone
Bedrückend und beschämende Momente in Guerra



Wie eine kalkweiße Statue sind die beiden Männer ineinander verschlungen. Es sind die Brüder Antigones, die sich als Todfeinde auf dem Schlachtfeld gegenüber treten und gegenseitig töten. Antigone will ihren einen Bruder, der als unehrenhaft gefallen gilt, gegen das Verbot des Königs Kreons bestatten. Dafür wird sie zum Tode verurteilt. In schwarzem Flatter-Punkkostüm mit schwarz geschminkten Lippen tritt sie an das Mikrophon. Eindringlich, abgehackt spricht sie von ihren Gedanken und Sehnsüchten und Ängsten auf ihrem Todesweg. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ismene, die einen ganz anderen Weg einschlägt, nimmt sie an der festlichen Tafel mit Kreon Platz. Langsam schälen sich aus dem Dunkeln der Bühne die weiteren Akteure von Antigones Geschichte. Ihre toten Eltern tauchen als Geister auf. Dazu schlagen ein Pianist und eine Sängerin berückende Töne an. Eine vereinnahmende Stimmung lässt Regisseur Philippe Flahaut in „Variations Antigone“ entstehen. Dass einige der Darsteller Handikaps haben, wird künstlerisch so inspirativ genutzt, dass sich eventuelle Schwächen in Stärken zu verwandeln scheinen. Ganz anders geht Pippo Delbono mit seinen Darstellern in „Guerra“ um, die er in der Psychiatrie, auf der Straße, in Obdachlosenheimen fand. Immer steht er selbst im Mittelpunkt. Er dirigiert sichtbar alle Aktivitäten. Handikaps werden hier benutzt um die Schrecknisse des Krieges zu zeigen. So verkommt die Arbeit mit den besonderen Darstellern in etlichen Teilen leider zu einer Freakshow.
Birgit Schmalmack

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