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Kaltstart-2

Kaltstart

Der Freitag
Aus den beiden Produktionen des „Werkraum3“ ragt das „Nachtlied“ heraus. Mit viel Witz, Ironie und Ideereichtum inszenierte Christopher Rüping mit seinen überaus beweglichen, sangesfreudigen und ausdrucksstarken Darstellern Rüdiger Hauffe und Wiebke Mollenhauer das kleine Nachtmusical, das am Keyboard live begleitet wurde.
Die beiden folgenden Schauspielstücke bewegten das Publikum ebenso zum begeisterten Applaus. Im Gastspiel aus Aachen „Das wundervolle Zwischending“ analysierte Regisseurin Anna Schildt die Verstrickungen der menschlichen Liebe. Nagelbett oder Kuschelkissen - wie sollte die Partnerschaft Liebe beschaffen sein. Abenteuer, Leidenschaft oder Sicherheit, das ist für Johann und Anna die alles entscheidende Frage. Beide Künstler und Sozialhilfeempfänger aus Berufung, spiegeln sich und ihre Beziehung in ihrem Filmprojekt, das zu einer Forschungsreise in Sachen Erotik, Langeweile, Alltäglichkeit, Abnutzungserscheinungen und deren Vermeidung gerät. Matthias Heckmanns intelligenter und witziger Text ist die ideale Spielvorlage für die beiden Hauptdarsteller Samuel Zumbühl und Anne Wuchold. Sie verkörpern die beiden verwöhnten Großstadtegomanen mit viel gekonnter Selbstironie.
Eine Produktion der Hamburger Theaterakademie folgte: „Mit dem Feuer spielen“ in der Regie von Alexander Riemenschneider. Auf schachbrettgemusterter Gummimatten wurde die Dreiecksgeschichte zum Wettkampf zwischen Ehemann, Ehefrau und Geliebten. Erkannte der Ehemann den Wert seiner langjährigen Gattin erst durch die Umwerbungen des Freundes, so heizte er gleichzeitig dessen Bemühungen geschickt an, um schließlich genüsslich das fatale Ende des Seitensprungs mit zu verfolgen. Immer wieder stellen sich die drei Darsteller Lisa Arnold, Gunther Eckes, Dominick Lindhorst in Positur und werfen sich geschickt über die Schulter. Kampfeserprobt knallen sie auf die harten Matten um wenig später zur Revanche anzusetzen. So gewann Reimenschneider Strindbergs Text viele vergnügliche Seiten ab.
Birgit Schmalmack vom 16.7.07

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