Helden auf Helgeland
Helden auf Helgeland
Zweite Chance – neues Leben
Ein zweites Leben, ein neue Chance, wem käme dies nicht manchmal gelegen, wenn das eigene Leben so unaufregend, so misslungen oder in die falschen Bahnen gelenkt erscheint? Auch Hjördis (Jana Schulz) geht das so. Ihr Ehemann Gunnar (Hans-Caspar Gattiker) ist nicht halb so mutig, wie sie sich ihn erträumt hatte. Jetzt hängt sie mit ihm im ewigen Winter auf Island fest.
Dabei hatte sie ihm eine äußerst kluge Mutprobe als Voraussetzung ihrer Eroberung gestellt: Er musste zunächst den Eisbären, der ihr Gemach bewachte erlegen. Sie wusste, dass würde nur ein wahrhaftiger Held schaffen. So einer wie Sigurd (Janning Kahnert). Doch der hatte Erbarmen mit seinem Freund, der über alle Maßen in die schöne Hjördis verliebt war. In wahrer Freundschaft erlegte er den Bären an Stelle Gunnars, auch wenn er selbst ein Auge auf die taffe Tochter geworfen hatte. Er gab sich stattdessen mit der zweiten Tochter im Hause, der braven, niedlichen Dagny (Julia Nachtmann), zufrieden. Nach etlichen Jahren trifft man sich wieder, weil der Vater Örnulf (Jürgen Uter) endlich Genugtuung für seine zwei geraubten Töchter haben möchte. Mit ihm einigt man sich schnell, aber nicht mit Hjördis. Diese Frau ist unzufrieden und will mehr. Sie will Rache für ihr verfuschtes Leben. Damit tritt sie eine Lawine der unglücklichen Ereignisse los.
Regisseur Roger Vantobel hat eine geniale Möglichkeit gefunden, diesen frühen, sagenhaften Stoff von Ibsen heute auf die Bühne zu bringen: Er spiegelt die Ereignisse in der virtuellen Welt Second Life. Während die Schauspieler in ihren Rollen auf der Bühne des Malersaals in einen Wohn/Bürozimmer agieren, nehmen ihre Atavare aus der Internetplattform Gestalt auf dem rückwärtigen Bildschirm an. Diese sind noch schöner, stärker, kräftiger als die Originale und können bei Bedarf sogar fliegen. Hjördis versucht verzweifelt ihr Schicksal zu korrigieren. Sie will ihr Second Life auch in ihrem ersten Leben umsetzen. Doch sie muss scheitern.
Theater als Ort der Maskerade, der Fantasie und der Erfindung neuer Charaktere hat viele Parallelen mit den Web 2.0. Vantobel bringt sie auf die Bühne und hat so im Malersaal überaus interessante, innovative Ideenräume eröffnet.
Birgit Schmalmack vom 9.1.08
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