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Gott des Gemetzels

Gott des Gemetzels
Maria Happel
Barbara Auer, Anne Weber, Herbert Knaup und Rudolf Kowalski
Herbert Knaup gibt den dauertelefonierenden Anwalt und Macho Alain, Rudolf Kowalski das bockige Weichei Michel, Barbara Auer die gutbürgerliche Véronique mit Hang zur Hysterie. Anne Weber

Blick hinter die gutbürgerliche Fassade
Zwei Elternpaare treffen sich um die Verfehlungen ihrer elfjährigen Jungen zu besprechen. Der eine hat dem anderen mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Nun will man die anlegenheit wie unter zivilisierten Bildungsbürgern üblich mit einem versöhnlichen Gespräch aus der Welt schaffen. Das jedenfalls ist die Intention der Mutter des geschädigten Jungen. Wie sich im Laufe der Begegnung aber herausstellt ist sie die einzige, die sich diese lauteren Ziele gesetzt hat. Ihr Ehegatte Michel hat sich nur widerwillig ihren Überredungskünsten gefügt. Der Vater des Schlägers, der Anwalt Alain, hält den Besuch für eine überflüssige Zeitverschwendung, die ihn von seinen eigentlichen Aufgaben als Pharmaanwalt abhält. Seine Frau versucht zwar höflich zu sein, unterdrückt aber ihre zunehmenden Aggressionen gegen Veroniques Vorwurf, sie habe ihren Sohn schlecht erzogen, nur schwer. So ist beim Kaffee und später beim Whiskey für ausreichend Zündstoff gesorgt, der auch die ansonsten sorgsam verborgenen Ehe-Konflikte nach oben spült. Die Solidarität mit dem Ehepartner findet dort ihre Grenze, wo es gilt Schuld und Verantwortlichkeiten von sich selbst abzuweisen.
Yasmina Reza zeigt in ihrem Stück Gott des Gemetzels, wie schnell die gute Kinderstube vergessen ist. Die Fassade der Gutbürgerlichkeit zerbröckelt schon bei einem nichtigen Anlass wie einem Streit unter zwei elfjährigen Kindern. Die erkrankte Barbara Auer wurde durch Maria Happel vom Wiener Burgtheater vertreten. Für die Vollblutschauspielerin ein Auftritt, der ihr jubelnden Applaus vom Hamburger Publikum einbrachte. Sie komplettierte die Inszenierung von Ulrich Waller um einen Akzent, der eher die komödiantischen Seiten des Stückes auslotete. Während Anne Weber sich still in den pinkfarbenen Eimer erbrach, Herbert Knaupp lautstark am dauerklingenden Handy seinen eigentlichen Interessen nachging und Rudolf Kowalski genüsslich seinen täglichen Ehehorror ausbreitete, ging Maria Happel mit all ihrer körperlichen Präsenz zu Werke. Das brachte ihr sogar Lob vom Hyper-Macho Alain ein.
Birgit Schmalmack vom 6.2.09

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