Feelgood
Feelgood
Spannender Politikthriller
Poltik mit Feelgood-Faktor, das wollen und sollen die Wähler bekommen. Dieser Überzeugung ist jedenfalls der Pressesprecher und spin-doctor des britischen Premiers Eddie (Stephan Benson). Er tut sein Möglichstes, um dem Wahlvolk die tatsächlichen Probleme im Land zu ersparen und liefert ihnen stattdessen kleine, in gut verdauliche Portionen inszenierte Skandale des politischen Gegners. Alles ist erlaubt, nur um an der Macht zu bleiben. Spielten inhaltliche Ziele in der Politik noch eine Rolle? Die globalen Verwicklungen der Welt sind mittlerweile so unüberschaubar geworden, dass einfache Antworten der linken und rechten Parteien nicht mehr zu passen scheinen. Trotzdem ist es so ein „geiles“ Gefühl in der Nähe der Macht zu sein, dass keiner diese Position gerne aufgibt. Manch einer wird durch sie sogar angezogen, obwohl er für ganz andere Überzeugungen eintritt.
So geschieht es kurz vor dem Parteitag: Eddie und der junge Redenschreiber Paul schreiben an der großen Rede des Premiers. Da werden sie jäh durch die sich überstürzenden Ereignisse gestört: Nicht nur dass vor dem Hotel die linken Öko-Aktivisten gegen die Genpolitik der Regierungs-Partei demonstrieren, sondern es kommt zudem heraus, dass ein Regierungsmitglied an einem illegalen Feldversuch mit genmanipulierten Hopfen beteiligt gewesen ist. Leider hat das damit gebraute Bier zu einigen merkwürdigen Veränderungen bei den männlichen Biertrinkern geführt. Sie bekamen weibliche Rundungen.
Eine Journalistin (Anja Topf) ist der Geschichte auf der Spur. Um sie daran zu hindern, die Bombe noch während des Parteitages hochgehen zu lassen, ködert Eddie und sein Premier sie geschickt mit einem Zipfel der Macht. Wird sie anbeißen? Lässt sie sich ködern mit Versprechungen auf Einflussnahme in der zukünftigen Asylpolitik?
Autor Alistar Beaton lässt hinter die Kulissen blicken. Die Verwicklungen, Manipulationen und Machtmittel, die er beschreibt sind zum Teil haarsträubend. Man wünscht sich, dass sie Übertreibungen wären. Doch der Mann weiß, wovon er schreibt: Er war jahrelang als Redenschreiber und als Abgeordneter der Labourparty aktiv.
Regisseur Rüdiger Burbach hat im Ernst-Deutsch-Theater seinen Stoff punktgenau umgesetzt. Ein spannendes brandaktuelles Theaterstück.
Birgit Schmalmack vom 21.8.06
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