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Die Welt ist groß

Die Welt ist groß
Das Leben ist ein Spiel
Ein Maisfeld ist auf dem Bühnenplatz gewachsen. In der scheinbaren ländlichen Idylle des tiefsten Bulgarien lebt der kleine Alexandar (Jörg Pohl) mit seiner Mutter Jana (Lisa Hagemeister) und seinem Vater Vasko (Mirco Kreibich). In dem engen Gestrüpp kann man nicht nur herrlich zur Gipsy-inspirierten Musik herumtollen, sondern sich zur Not auch vor der engen Kontrolle des kommunistischen Systems verstecken. Alex Großfamilie hat ihre eigenen Methoden entwickelt der Enge zu entkommen. Während die Mutter auf Fantasie und die Großmutter Slatka (Verena Reichhardt) auf Süßigkeiten setzt, spielen die Männer leidenschaftlich gern Backgommon, um die Tristigkeit ihrer Umgebung zu vergessen. Doch Vasko reicht das nicht, er will mit seiner Kleinfamilie das Land verlassen. Über Italien landen sie schließlich in Deutschland. Mit dem ersten richtigen Auto verunglücken die Eltern und Alexander bleibt allein und schwer traumatisiert zurück. Eingewickelt in eine Matratze vegetiert er vor dem Fernseher bewegungsunfähig in der Wohnung seiner Eltern. Erst sein extra angereister Patenonkel Bai Dan reißt ihn aus seiner Depression, indem er mit ihm eine Reise auf dem Tandem unternimmt.
Regisseurin Jette Steckel findet eindrückliche Bilder für die Situation der Männer: Sie lässt die beiden Kumpanen unter einem Schaumstoffflockenberg verschwinden, aus dem sie wenig später mit lautem Prusten wieder auftauchen, sich balgen wie die Kinder und mit Hilfe eines Ventilators den krassesten Fahrtwind für die Fahrt auf dem Tandem erzeugen.
Bruno Cathomas wird zum komödiantischen Mittelpunkt des Stückes. Halb Clown, halb Altersweiser wird er in seinem schwarzen Anzug zum Zirkusdirektor des Geschehens. Um keine Spontaneität verlegen meistert er jede Herausforderung. Als er zum krönenden Abschluss einen Besen mit einem Luftballon zum Stehen bringen soll, gelingt ihm auch das nach etlichen Anläufen mit souveräner Geduld.
Steckels Inszenierung kennzeichnet die spielerische Leichtigkeit mit dem Romanstoff von Ilja Trojanow. Sie bringt den detailreichen Stoff fast mit einem Übermaß an sprühenden Ideen auf die kleine Bühne des Thalia in der Gaußstraße, so dass es trotz seiner fast drei Stunden ein kurzweiliger Abend geworden ist. Dass auch der Tiefgang nicht zu kurz kommt, dafür sorgen die exzellenten Schauspieler mit ihrem intensiven Spiel, die es auch in den meist kurzen Spielszenen schaffen ihren Rollen Wahrhaftigkeit und Substanz zu geben.
Birgit Schmalmack vom 26.9.09

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