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Die Lissabonner Traviata

Die Lissabonner Traviata

Oper wie im richtigen Leben
Wem sein Leben zu aufregungs- und leidenschaftslos ist, der kann in die Oper gehen und sich dort die gewünschten tiefen Emotionen verschaffen. Mendy und Stephen ist zwei dieser Opernfanatiker, die mit und für die Oper leben. Während der Single Mendy schon seit langem hofft, die Liebe auch im echten Leben zu erleben, ist Stephen seit acht Jahren mit Mike liiert. Doch ihre Leidenschaft und Liebe ist in die Jahre gekommen, was Stephen jedoch noch nicht wahr haben möchte. Erst als Mike seinen neuen Lover direkt mit in die gemeinsame Wohnung bringt, erkennt er die fatale Entwicklung, die seine große Liebe genommen hat. Endlich hat er die Chance für ein echtes Operndrama in seinem Leben. Er ergreift sie beherzt.
Roland Renner, Markus Boysen und Gustav Peter Wöhler schaffen es diesen Stoff unter der Regie von Siegfried Bühr zu einem kitschlosen, allgemeingültigen Drama werden zu lassen, das auch jenseits der gezeigten Homoszene in New York spielen könnte. Sie zeigen Menschen, die nicht alt werden wollen, die einsam sind, weil sie in dem Überangebot der Großstadt keinen bzw. nur sehr viele wechselnde Partner finden. Klischees bedient das Theaterstück von Terence McNally scheinbar im ersten Akt. In ihm liefern sich Mendy und Stephen einen hysterischen Schlagabtausch bezüglich der Qualitäten der Callas im Vergleich mit anderen Sängerinnen und bezüglich einzelner Plattenaufnahmen ihres legendären Schaffens. Im zweiten Teil nach der Pause ist Schluss mit dem genüsslichen und vergnüglichen Aufspießen der Bilder exzentrischer Homos. Es wird bitterernst. Stephen kann seine Liebe nicht gehen lassen und greift zu äußersten Mitteln.
Birgit Schmalmack vom 25.11.09

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