Das letzte Territorium
Das letzte Territorium
Klare Grenzen
Große Themen packt Anne Habermehl in ihrem Stück „Das letzte Territorium“
an: Illegale Flüchtlinge in Deutschland, Entfremdung in der Ehe, Rebellion eines pubertierenden Sohnes.
Moritz (Claudius Franz) kann bei seinen Eltern, die sich getrennt haben, keinerlei Vorbildcharakter mehr entdecken. Sein Vater (Christoph Tomanek) hat seine Familie wegen einer zweifelhaften Karriereaussicht verlassen und seine Mutter (Natali Seelig) wirft sich in nachfolgenden Frusturlaub dem erstbesten Touri an den Hals. Dort wird ihnen beim Sonnenbaden ein algerischer Wirtschaftsflüchtling (Asad Schwarz-Msesilamba) direkt vor die Füße gespült, der wenig später in Stuttgart vor ihrer Tür auftaucht. Moritz hatte ihm seine Adresse zugesteckt. Der ehrgeizige Mehdi schafft sich bei ihnen einzunisten, was der Mutter, die beim Einwohnermeldeamt arbeitet, gar nicht gefällt. Moritz geht für ihn klauen. Als die Polizei den Diebstahl aufdeckt, greift die Mutter zur Notlösung: Sie verrät Mehdi an die Ausländerpolizei. Er wird abgeschoben.
Die Inszenierung von Corinna Sommerhäuser wagt eine Gratwanderung zwischen Drama und Komödie. Sie lässt den Tonfall des Spiels immer wieder von bitterem Ernst zu leichter Komik kippen. Die Personen stehen alle steht kurz vor ihrem persönlichen Abgrund, versuchen aber dennoch Optimismus auszustrahlen. Die Mutter übt sich weiter im Gute-Laune-Machen, auch wenn sie vor den Trümmern ihrer Ehe steht, einen ungeliebten Job nachgeht und den Kontakt zu ihrem Sohn verliert. Mehdi hält an seinen Aufsteigerplänen fest, auch wenn er erkennen muss, dass ein Weg für ihn als Asylant in die Ingenieuretagen von Daimler nicht vorgesehen ist. Einzig Moritz sieht den Tatsachen ungeschönt ins Auge. Er erkennt klar die Bankrotterklärung seiner Eltern und die blanke Ungerechtigkeit beim Zusammentreffen von erster und dritter Welt. Sommerhäuser gelingen einige eindrückliche, klare Bilder: Beim Zusammentreffen von Vater und Mehdi halten die Beiden sich nur mit den ausgestreckten Armen auf Abstand und symbolisieren doch eine unüberwindliche Grenze.
Birgit Schmalmack vom 12.1.09
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